KKR steigt bei Accell aus, Banken übernehmen

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February 18, 2026
19.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Nach vier Jahren endet KKRs Engagement beim niederländischen Fahrradkonzern Accell in einem distressed Exit. Kreditgebende Banken übernehmen die Kontrolle, KKR legt zum Abschied noch frisches Eigenkapital obendrauf.

Restrukturierung statt Rendite

KKR und der niederländische Co-Investor Teslin Capital Management hatten Accell, zu dem Marken wie Babboe, Ghost und Raleigh gehören, im Jahr 2022 für mindestens 1,6 Milliarden Euro von der Börse genommen. Kurz nach der Übernahme geriet die europäische Fahrradbranche in einen tiefen Abschwung mit Überbeständen, Margendruck und sinkender Nachfrage. Accell hat sich nun mit seinen Kreditgebern und Eigentümern auf eine neue Finanzierung geeinigt, die dem Konzern nicht nur zusätzliche Finanzmittel verschafft, sondern auch die Verschuldung erheblich senkt. Bereits im Januar 2025 hatte Accell seine Schuldenlast von 1,4 Milliarden Euro um 600 Millionen Euro reduziert. Die neue Eigentümerstruktur wird von vorrangigen Kreditgebern gebildet, überwiegend institutionelle Investoren und Banken.

KKR zahlt beim Exit drauf

Nach Informationen des Manager Magazins gibt KKR beim Ausstieg zusätzlich frisches Kapital in Form von Barmitteln an Accell, kein Darlehen oder andere Fremdkapitalformen. Der grundsätzlich langfristig orientierte US-Investor zieht damit einen teuren Schlussstrich unter eines seiner schlechteren Investments. Teslin hatte seinen Accell-Anteil kontinuierlich abgeschrieben und zum Jahresende vollständig auf null gesetzt, wie Het Financieele Dagblad berichtete. Auch KKR hat laut Berichten seinen Anteil abgewertet, das Ausmaß aber nie offiziell kommuniziert. Nach einem dreistelligen Millionenverlust und einem zweistelligen Umsatzrückgang 2024 wird Accell laut Fitch Ratings auch 2025 mit einem Verlust abschließen, wenngleich einem verminderten. Für 2026 rechnen Experten mit einem weiteren Umsatzminus von knapp 10 Prozent.

Kostensenkung durch Produktionsverlagerung

Um Kosten zu senken, schloss Accell im Sommer 2025 die Produktion in den Niederlanden und verlagerte sie nach Ungarn. Auch in Deutschland und Großbritannien hatte der Konzern zuvor Fertigungsstätten aufgegeben. Zusätzlich verkaufte Accell seine auf Titanfahrräder spezialisierte Marke Van Nicholas sowie die nordeuropäische Marke Nishiki. Ob weitere Marken oder Vermögenswerte veräußert werden, ließ das Unternehmen offen. Accell sieht durch die neue Eigentümerstruktur seine Finanzlage erheblich gestärkt und den Finanzierungsbedarf als deutlich geringer als bei der vorherigen Rekapitalisierung. Der Konzern rechnet mit allmählich verbesserten Marktbedingungen und sieht sich auf einem guten Weg zu nachhaltiger Cashflow-Generierung.