EY-Studie zum Immobilienmarkt: Nur Wohnen funktioniert noch

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January 16, 2026
16.01.2026
3 Minuten Lesezeit

Was passiert, wenn eine ganze Branche die Orientierung verliert? Sie klammert sich an das Vertraute. 84 Prozent der von EY-Parthenon befragten Marktakteure wollen 2026 in Wohnimmobilien investieren. Alles andere wirkt wie ein Glücksspiel.

Die Illusion der Erholung

2024 keimte Hoffnung. Erstmals seit Krisenbeginn zog das Transaktionsvolumen wieder an. Doch 2025 folgte die Ernüchterung: 32,8 Milliarden Euro, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Der Markt tritt auf der Stelle. EY hat im November 380 Branchenakteure befragt. Die Antworten zeichnen das Bild einer gespaltenen Industrie. Die eine Hälfte hofft auf steigende Volumina, die andere hält die bisherigen Preiskorrekturen für unzureichend.

Büro wird zum Ladenhüter

Nur noch 39 Prozent der Befragten interessieren sich für Büroflächen. Außerhalb der absoluten Premiumlagen rechnen drei von vier Investoren mit weiter sinkenden Preisen. Wohnimmobilien dagegen versprechen Wertzuwächse: 76 Prozent erwarten steigende Preise in Toplagen, die Hälfte sogar in schwächeren Standorten. Florian Schwalm, Managing Partner bei EY Real Estate, beschreibt ein neues Normal, in dem Wohnungen die Einkaufslisten dominieren.

Zinsen? Interessieren kaum noch

Überraschender Befund: Die Zinsentwicklung, noch 2023 das beherrschende Thema, rutscht in der Relevanz ab. 94 Prozent nennen stattdessen den demografischen Wandel als prägendsten Megatrend. Politische Unsicherheiten, Regulierung und künstliche Intelligenz rangieren ebenfalls vor dem Kapitalmarktumfeld. Die Branche habe sich arrangiert, so Schwalm.

Bauturbo ohne Wirkung

Fast alle Befragten beklagen fehlende Neubauten. Politische Gegenmittel verpuffen. Die Wohnbaukrise bleibt festgefahren. Gleichzeitig verschärfen schwierige Finanzierungsbedingungen die Lage. 96 Prozent sehen Development-Finanzierungen als zentrale Herausforderung. Private Debt gewinnt als Ausweg an Bedeutung.

Nischen als Lichtblick

Data Center und Life Science stehen bei 45 beziehungsweise 44 Prozent der Investoren im Fokus. Logistik erreicht 57 Prozent, Lebensmitteleinzelhandel 50 Prozent. Schwalm bringt es auf den Punkt: Nutzungsart schlägt Standort. Gefragt sind Flächen, die heute funktionieren und morgen relevant bleiben.