Algorithmen könnten Umsätze ankurbeln und Branchen umkrempeln. Doch hierzulande dienen sie meist nur dazu, bestehende Abläufe zu beschleunigen. Eine weltweite Erhebung zeigt, wie groß der Abstand zur Spitze ist.
Die Technologie ist da, die Daten sind gepflegt, die Sicherheitsstandards stimmen. Trotzdem hinken deutsche Unternehmen bei der Nutzung künstlicher Intelligenz hinterher. Das Problem: Sie setzen die Werkzeuge vor allem ein, um Prozesse günstiger und schneller zu machen. Neue Einnahmequellen oder branchenübergreifende Angebote entstehen selten. PwC hat für seine globale Studie mehr als 1.200 Führungskräfte befragt, 81 davon aus Deutschland.
Die Ergebnisse zeigen eine massive Schieflage. Weltweit streicht ein Fünftel der Firmen fast drei Viertel aller Erträge ein, die auf Algorithmen zurückgehen. Diese Spitzengruppe erzielt eine gut siebenfach höhere Wirkung als der Rest.
Deutschland rangiert im Mittelfeld. Der errechnete Fitness-Wert liegt bei 5,6 von 10 Punkten, knapp über dem weltweiten Durchschnitt. Länder wie USA, Kanada und Großbritannien bleiben dahinter. Doch China, Saudi-Arabien, Nigeria und Frankreich liegen bereits deutlich vorn.
Beim Fundament stehen deutsche Betriebe gut da: Datenqualität, Compliance, Governance. Der Rückstand entsteht beim Umsetzen. Mehr als die Hälfte der hiesigen Firmen zielt mit KI auf Effizienz, nur ein Viertel auf Wachstum.
Die Vorreiter ticken anders. Sie bauen mit Algorithmen Angebote jenseits des Kerngeschäfts. Ein Maschinenbauer etwa beliefert nicht nur Landwirte mit Gerät, sondern hilft ihnen mit datengestützten Diensten, ihre Ernte zu steigern. Ein Luftfahrtkonzern sagt Fluggesellschaften Ausfälle voraus und verkauft Wartung als eigenständiges Produkt. In keinem Feld klafft die Lücke zwischen Deutschland und der Weltspitze so weit wie bei solchen branchenübergreifenden Modellen.
Ein weiteres Hindernis sitzt in den Köpfen. Nur rund ein Viertel der Beschäftigten hierzulande vertraut den Ergebnissen von Algorithmen und richtet sein Handeln danach aus. Bei den führenden Unternehmen weltweit sind es mehr als doppelt so viele. Ohne Akzeptanz in der Mannschaft verpufft jede Investition. Entscheidend wäre, dass Vorstände sichtbar vorangehen. Doch nur 42 Prozent der deutschen Chefetagen übernehmen persönlich Verantwortung für KI-Ergebnisse. Bei den Vorreitern sind es drei von vier.
Nico Reichen, Partner bei PwC Deutschland, sieht Handlungsbedarf: „Deutsche Unternehmen haben die Grundlagen, jetzt muss der Sprung gelingen. KI auf Wachstum ausrichten, Entscheidungen automatisieren, Führung sichtbar machen. Weg von Effizienzsteigerung, hin zu echter Neuausrichtung."
Die Datenbasis sei vorhanden, die Strukturen stünden. Was fehle, sei der Mut, das Geschäft grundlegend neu zu denken.




