Maschinen sollen eines Tages den Haushalt erledigen. Damit das klappt, brauchen sie Vorbilder aus Fleisch und Blut. Ein Anbieter aus den USA hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht, von dem auch die Kundschaft profitiert.
Stellen Sie sich vor, jemand wischt Ihren Küchenboden und trägt dabei eine Helmkamera. Was nach einer skurrilen Science-Fiction-Szene klingt, ist in New York Realität geworden. Das Unternehmen Shift bietet einen ungewöhnlichen Deal an: Wohnung wird geputzt, Geld bleibt im Portemonnaie. Die Gegenleistung erbringen die Auftraggeber, ohne einen Finger zu rühren. Sie öffnen lediglich ihre Türen für Reinigungskräfte, die alles dokumentieren, was sie tun.
Hinter der Aktion steckt der wachsende Markt für sogenannte Trainingsdaten. Damit Computer komplexe Bewegungsabläufe nachvollziehen können, müssen sie lernen, wie diese in der Praxis aussehen. Geschirr abspülen, Hemden zusammenlegen, Lebensmittel sortieren: Aufgaben, die jedem Menschen vertraut sind, stellen Maschinen vor Herausforderungen. Aufnahmen aus der Ich-Perspektive helfen Entwicklern dabei, ihren Systemen die Feinheiten beizubringen. Während andere Anbieter sich auf Bürowelten oder Bildschirmarbeit konzentrieren, hat Shift eine Marktlücke entdeckt. Der Bedarf an Material aus dem echten Leben ist offenbar so groß, dass sich die Reinigungsdienstleistung allein über den Verkauf der Aufzeichnungen tragen lässt.
Was wie ein kleines Experiment wirkt, ist Teil eines weltweit organisierten Geschäfts. Shift gibt an, in über fünfzehn Ländern aktiv zu sein und Tausende Helfer für die Aufzeichnung verschiedener Tätigkeiten zu beschäftigen. Auf der Website können Interessierte sich nicht nur als Kunden anmelden, sondern auch ihre Mitarbeit anbieten. Konkurrenz kommt von prominenter Seite. Unternehmen wie Uber oder LinkedIn haben den Markt für Trainingsdaten ebenfalls für sich entdeckt. Das Geschäft mit der Anlernung von KI dürfte in den kommenden Jahren noch deutlich wachsen.
Was bleibt, ist die Frage nach dem Schutz der Privatsphäre. Schließlich kommt die Kamera in fremde Räume, in denen Persönliches sichtbar wird. Shift versichert, sensible Inhalte vor der Weiterverarbeitung unkenntlich zu machen. Wer Sorgen wegen Unordnung hat, kann beruhigt sein. Schwierige Bedingungen seien für das Training sogar besonders lehrreich, heißt es vom Unternehmen. Auf der anderen Seite stehen die Beschäftigten, die mit der Kamera arbeiten. Sie können einzelne Aufträge ablehnen, wenn Räume oder Aufgaben ihnen unangenehm sind.




