Der britische Staat vergibt einen Rekordauftrag für Beamtenausbildung an zwei Big-Four-Häuser und stellt damit sein eigenes Sparversprechen auf die Probe.
London hat einen Ausbildungsauftrag im Volumen von bis zu 456 Millionen Pfund an KPMG und EY vergeben. Auf KPMG entfallen bis zu 319 Millionen Pfund, EY erhält einen Rahmen von bis zu 137 Millionen. Die dreijährige Vereinbarung läuft von 2026 bis 2028 und deckt Trainingsleistungen für den öffentlichen Dienst ab, mit klarem Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz. Sie ersetzt eine auslaufende Ausbildungsvereinbarung des Civil Service.
Laut Beschaffungsdienstleister Tussell ist der Vertrag der volumenstärkste Einzelauftrag an eine Big-Four-Beratung seit Beginn der Erfassung 2012. Übertroffen wird damit ein PwC-Auftrag des britischen Außenministeriums aus demselben Jahr mit einem Höchstwert von 322 Millionen Pfund. Auch das Gesamtbild wirkt bemerkenswert: 1,25 Milliarden Pfund flossen im laufenden Jahr bereits an Big-Four-Firmen, mehr als in der gesamten Vorjahresperiode mit 1,06 Milliarden.
Der Zeitpunkt ist heikel. Die Labour-Regierung hatte 2024 zugesagt, die Beratungsausgaben zu halbieren und bis 2026 mehr als 1,2 Milliarden Pfund einzusparen. Seither wurden neunzehn Big-Four-Aufträge mit einem Einzelvolumen von über 100 Millionen Pfund vergeben, rund die Hälfte aller entsprechenden Großverträge. Die Regierung verteidigt die Vergabe als Ausbildungs- und nicht als Beratungsauftrag, der die Kompetenzlücke des Civil Service im KI-Feld schließen helfe. Offiziell handelt es sich zudem um eine Zwischenlösung bis zum Aufbau einer staatseigenen „national school for government".




