Während der Konzern Tausende Bürojobs streicht, fließen Millionen in ein Trainingsprogramm für Handwerker. Hintergrund ist der enorme Bedarf an Fachkräften für den Ausbau der Infrastruktur.
Das Programm öffnet seine Türen so weit wie selten zuvor bei einem Tech-Riesen. Ob jemand aus dem Militär kommt, gerade die Schule abgeschlossen hat oder nach Jahren in einem ganz anderen Beruf neu anfangen möchte, spielt keine Rolle. Vorerfahrung erwartet niemand. Wer sich bewirbt und angenommen wird, durchläuft eine etwa fünfwöchige Schulung, an deren Ende eine konkrete Zusage steht: ein Einsatz auf einer Baustelle des Unternehmens. Damit die finanzielle Hürde niemanden abschreckt, übernimmt Meta sämtliche Ausgaben. Reise, Schlafplatz, Verpflegung und ein täglicher Zuschuss sind im Paket inbegriffen. Insgesamt fließen im Auftaktjahr 115 Millionen Dollar in die Initiative, die unter dem Namen America's Workforce Academy firmiert. Begleitet wird das Vorhaben vom Bauverband ABC und vom Immobiliendienstleister CBRE.
Im kommenden Jahr soll die Sache anlaufen. Geplant sind erste Standorte in Louisiana, Ohio, Indiana und Texas. Besondere Aufmerksamkeit zieht ein Vorhaben mit dem Namen Hyperion auf sich, das in Louisiana entstehen wird. Der Konzern selbst beschreibt die Dimension mit einem griffigen Vergleich: Die fertige Anlage würde einen erheblichen Teil Manhattans überdecken.
Auf den ersten Blick wirken die Pläne kurios. Schließlich hat das Unternehmen erst vor wenigen Wochen rund 8.000 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Das entsprach etwa jeder zehnten Stelle im Konzern. Die freigewordenen Mittel landen jedoch nicht in der Schatulle, sondern in der Infrastruktur. Sage und schreibe bis zu 145 Milliarden Dollar will Meta in diesem Jahr für den Aufbau seiner Rechenkapazitäten ausgeben. Dina Powell McCormick, im Konzern als Präsidentin tätig, greift in einem Blogeintrag tief in die Geschichtskiste. Sie vergleicht den aktuellen Ausbau mit der Versorgung ländlicher Gegenden mit Strom in den 1930er-Jahren oder mit der industriellen Mobilmachung während des Zweiten Weltkriegs.
Der Mangel an Baufachkräften beschränkt sich nicht auf Meta. Allein in den Vereinigten Staaten fehlen nach Berechnungen der Branche im kommenden Jahr rund 349.000 zusätzliche Arbeitskräfte, um die anstehenden Vorhaben überhaupt umsetzen zu können. Insofern entlastet die Initiative womöglich auch andere Auftraggeber, die um dieselben Hände konkurrieren.
Eine Frage bleibt allerdings offen. Was geschieht mit den frisch ausgebildeten Helfern, wenn die jeweiligen Rechenzentren fertig sind? Der Konzern verweist auf anerkannte Qualifikationsnachweise, die einen Wechsel zu anderen Arbeitgebern problemlos möglich machen sollen.




