Der britische Aufsichtsrat FRC kritisiert die wachsende Offshore-Praxis der Big Four bei anspruchsvoller Prüfungsarbeit, während bei PwC parallel Verstöße gegen Unabhängigkeitsregeln auffliegen.
Im Jahresqualitätsbericht vom 22. Juli kritisiert der Financial Reporting Council (FRC), dass Deloitte, EY, KPMG und PwC ihre Offshore-Teams, vor allem in Indien, zunehmend über reine Routinetests hinaus auch für Aufgaben mit fachlichem Urteilsvermögen einsetzen. Bei KPMG UK ist bereits rund ein Viertel der Prüfungsbelegschaft offshore beschäftigt, zwei Big-Four-Prüfer äußerten gegenüber der Financial Times Zweifel an der Qualität einzelner Arbeitsergebnisse. Der FRC fordert die Kanzleien auf, sich gegen die damit verbundenen Risiken zukunftsfest aufzustellen, und will die Steuerung dieser Modelle im kommenden Jahr genau beobachten.
Zusätzlich identifizierte PwC UK laut FRC mehrere Fälle, in denen ausländische Netzwerkgesellschaften prüfungsfremde Leistungen für Prüfungsmandanten ohne erforderliche britische Genehmigung erbrachten, relevant, weil solche Honorare 70 Prozent des Prüfungshonorars nicht übersteigen dürfen. PwC prüft nun intern mögliche weitere Verstöße, der FRC will die Freigabeprozesse gezielt aufsichtlich begleiten. PwC investiert laut eigenen Angaben in ein schnelleres Frühwarnsystem im Rahmen einer breiteren internationalen Neuorganisation.
Der FRC bestätigt zudem, dass der Qualitätsabstand zu kleineren Prüfungsgesellschaften weiterhin groß ist, Fortschritte seien zwar erkennbar, aber uneinheitlich.




