Wer KI im Unternehmen als reines IT-Projekt behandelt, verpasst nach Einschätzung von Paul Griggs den eigentlichen Effekt. Der US-CEO von PwC benennt in einem laufenden Business-Insider-Interview zwei Missverständnisse, die aus seiner Sicht auffallend viele Häuser gleichzeitig produzieren.
Der erste Fehlschluss liegt bereits im organisatorischen Zuschnitt. Wird die Einführung generativer KI an CIO und CTO delegiert und dort abgehandelt, bleibt aus Griggs' Sicht der eigentliche Hebel liegen. Erforderlich sei ein unternehmensweiter Transformationsansatz, der Prozesse und Mitarbeiter aller Bereiche mitnimmt, also klassisches Change-Management statt Software-Rollout. Ergänzend warnt Griggs davor, alle Effizienzgewinne bequem auf die Ergebnisseite durchzuleiten. Die anspruchsvollere und ertragreichere Variante bestehe darin, diese Einsparungen in Wachstumsinitiativen zu reinvestieren.
Der zweite Punkt betrifft die Illusion, KI könne ein schlecht geführtes Unternehmen reparieren. Werden ineffiziente Abläufe mit KI überlagert, ohne die Grundprozesse zu bereinigen, entsteht laut Griggs keine Verbesserung, sondern eine zusätzliche Komplexitätsebene. Der Ansatz führt in seinen Worten zu einem Effekt, bei dem vorhandene Schwachstellen durch die neue Technologie multipliziert statt gelöst werden.
Für Vorstände und Geschäftsführung leitet Griggs daraus eine strategische Konsequenz ab. KI liefere zwar die größte Effizienzchance seiner dreißigjährigen Karriere bei PwC, aber ihr wirtschaftlicher Wert entscheide sich nicht am Modell, sondern an der Bereitschaft zu einer umfassenden organisatorischen Neuausrichtung.




