R+V-Report: Zukunftssorgen im Mittelstand erreichen Höchststand

blog main image
March 17, 2026
17.03.2026
3 Minuten Lesezeit

Der Resilienz-Report 2026 zeigt einen dramatischen Stimmungswandel: 29 Prozent der Führungskräfte blicken mit Bangen auf die Zukunft ihrer Firma, gegenüber 17 Prozent im Jahr 2024. Mitarbeiterbindung entwickelt sich zum Handlungsfeld Nummer eins.

Vertrauen in Widerstandskraft schwindet merklich

Die anhaltenden geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten hinterlassen deutliche Spuren in der mittelständischen Unternehmenslandschaft. Das dokumentiert die repräsentative Studie "Fokus Mittelstand: R+V Resilienz-Report 2026", für die zur Jahreswende 2025/26 mehr als 220 Führungskräfte in Unternehmen mit über zehn Mitarbeitenden sowie über 1.000 Beschäftigte parallel befragt wurden. Die Ergebnisse offenbaren einen bemerkenswerten Wandel: Mittlerweile blicken 29 Prozent der Führungskräfte mit erheblichen Sorgen auf die Zukunft ihres eigenen Unternehmens, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 17 Prozent aus dem Jahr 2024. Bei den Beschäftigten zeigt sich das Bild weitgehend stabil: 22 Prozent machen sich Sorgen wegen der Resilienz ihres Arbeitgebers, 2024 waren es 20 Prozent gewesen. Bemerkenswert ist dabei die Einschätzung zur gesamtwirtschaftlichen Lage: 69 Prozent der Führungskräfte und 72 Prozent der Beschäftigten halten die deutsche Wirtschaft insgesamt für stark krisengefährdet.

Umsetzungsdefizit trotz gestiegener Aktivität

Die Studie dokumentiert jedoch auch eine positive Entwicklung: Während 2024 nur ein gutes Fünftel der Führungskräfte (22 Prozent) angab, dass ihr Unternehmen bereits vorbeugende Maßnahmen ergriffen habe, sagt dies mittlerweile jede dritte Führungskraft. Jens Hasselbächer, Vorstand des Ressorts Kunden & Vertrieb der R+V Versicherung, mahnt dennoch: "Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt ein erhebliches Umsetzungsdefizit bestehen. Viele Firmen erkennen die eigene Gefährdung im Krisenfall, haben jedoch noch nicht in ausreichendem Maße gegengesteuert." Diese Diskrepanz zwischen wahrgenommener Gefährdung und tatsächlichem Handeln lässt sich bei allen abgefragten Themenfeldern feststellen und liegt im Durchschnitt bei zwölf Prozentpunkten. Die Beschäftigten sehen bei ihren Arbeitgebern sogar ein noch größeres Umsetzungsdefizit mit einem Unterschied von 15 Prozentpunkten.

Mitarbeiterbindung übertrifft sogar Produktentwicklung

87 Prozent der Führungskräfte identifizieren die Motivation und Bindung von Mitarbeitenden als einen der wichtigsten Schlüssel zu mehr Resilienz. Kein anderes Thema erreicht einen höheren Stellenwert. Dieses Handlungsfeld rangiert sogar vor unternehmerischen Kernaufgaben wie der Produktentwicklung oder der Anpassung an verstärkten Preiswettbewerb (85 Prozent beziehungsweise 82 Prozent). Dennoch sind lediglich 60 Prozent der Firmenlenker bei der Mitarbeiterbindung bereits stark oder sehr stark aktiv geworden. Bei kleineren Unternehmen mit 10 bis 29 Beschäftigten liegt der Wert sogar nur bei 47 Prozent. Die allermeisten Führungskräfte haben mögliche Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung durchaus im Blick: 78 Prozent halten höhere Arbeitgeberzuschüsse zur Altersabsicherung für einen wirksamen Weg. Beim Ausbau der betrieblichen Gesundheitsvorsorge und bei flexiblen Lebensarbeitszeitkonten sind es jeweils 74 Prozent. Die Beschäftigten selbst schätzen die Bedeutung solcher Maßnahmen durchweg noch deutlich höher ein als ihre Führungskräfte.

Verwandte Artikel