Die Korruptionsjäger dünnen das Verfahren aus und nehmen den Investor selbst stärker ins Visier. Es geht um mutmaßliche Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.
In der Affäre um den Unternehmer Michael Tojner haben die Ermittler aufgeräumt. Neun Personen und die Prüfungsfirma KPMG Austria müssen nicht mehr mit einer Anklage rechnen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sieht bei ihnen keinen hinreichenden Tatverdacht mehr. Die Begründung: Die Betroffenen hätten jeweils nur Ausschnitte bearbeitet, ohne den Gesamtzusammenhang zu durchschauen. Sogar Strohmänner, die auf dem Papier Gesellschafterfunktionen ausübten, gelten der Behörde als ahnungslose Handlanger.
Wer nur Bruchstücke kannte, war nicht der Kopf. Die Ermittler meinen, diesen Kopf identifiziert zu haben: Tojner selbst soll nach ihrer Einschätzung das Geschehen orchestriert haben. Der Unternehmer widerspricht dem vehement.
Der Ausgangspunkt liegt im Burgenland. Drei Wohnbauträger namens Gesfö, Riedenhof und Pannonia verloren ihren Status als gemeinnützige Gesellschaften. Bei den anschließenden Ablösezahlungen fühlte sich das Land über den Tisch gezogen. 2019 wurde Anzeige gestellt, seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft. Den Schaden beziffert das Burgenland auf 163 Millionen Euro.
Dreizehn Beschuldigte bleiben übrig. Die Ankläger prüfen Vorwürfe von Betrug in besonders schwerem Fall über Veruntreuung und gefälschte Bilanzen bis hin zu Vergehen gegen das Finanzstrafrecht.
Die Einstellungen sind kein Freispruch für das Gesamtvorhaben. Sie zeigen, dass die Behörde ihre Munition bündelt. Statt breit zu streuen, zielen die Ermittler jetzt auf jene, die ihrer Ansicht nach wussten, was gespielt wurde, und die Partie leiteten. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.




