Eine Umfrage unter Anwälten, Notaren und Unternehmensjuristen zeigt: Künstliche Intelligenz ist im Alltag angekommen. Doch 70 Prozent müssen die Ergebnisse regelmäßig nachbessern.
Künstliche Intelligenz hat sich in Österreichs Kanzleien, Notariaten und Rechtsabteilungen festgesetzt. Laut dem Legal Tech Barometer 2026 greifen 99 Prozent der befragten Juristen zumindest ab und zu zu entsprechenden Werkzeugen. Knapp die Hälfte tut das mehrfach am Tag. Die Erhebung stammt von Future-Law und wurde gemeinsam mit LexisNexis, Dilitrust, der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen und der Notariatskammer durchgeführt. Wofür wird die Technik eingesetzt? Vor allem für Recherchen: 81 Prozent lassen sich dabei von Algorithmen helfen.
In Rechtsabteilungen ist der Griff zur KI besonders selbstverständlich. Mehr als sieben von zehn nutzen sie täglich mehrfach. Der Antrieb ist allerdings kein Technikfieber, sondern Überlastung: 55 Prozent berichten von wachsenden Aufgabenbergen bei stagnierender Personaldecke. Verträge entwerfen und Dokumente durchforsten gehören zu den häufigsten Anwendungen. Trotzdem fehlen in vier von fünf Abteilungen automatisierte Abläufe. Sophie Martinetz, Gründerin von Future-Law, sieht dennoch Zuversicht: „100 Prozent erwarten, dass Due-Diligence-Prüfungen innerhalb von zwei Jahren vollständig durch AI abgewickelt werden."
Was bedeutet das für den Berufsstand? Martinetz beschreibt einen Umbau: „Routinetätigkeiten werden verstärkt von KI übernommen, insbesondere Aufgaben, die bisher von Junior-Juristinnen und -Juristen, Assistenzfunktionen oder externen Kanzleien erledigt wurden." Die gewonnene Zeit fließe in komplexere Fragen und strategische Beratung. „Was wir beobachten, ist keine Verdrängung, sondern eine Verlagerung. Juristinnen und Juristen, die KI als Werkzeug beherrschen, werden künftig dort gebraucht, wo Urteilsvermögen, Empathie und Verantwortung gefragt sind."
Bei aller Verbreitung bleibt ein Wermutstropfen. 70 Prozent der Befragten geben an, die Resultate häufig oder sehr häufig überarbeiten zu müssen. Geschwindigkeit ist das eine, Zuverlässigkeit das andere. Martinetz fasst zusammen: „KI schafft Tempo, aber nicht automatisch Verlässlichkeit. Die juristische Expertise bleibt unverzichtbar – insbesondere bei Bewertung, Einordnung und finaler Entscheidung." Automatisierte Workflows haben bislang nur rund 20 Prozent eingeführt. Weitere 40 Prozent wollen nachziehen.




