Meta experimentiert mit einer neuartigen Funktion, bei der Nutzer ihre Themenwünsche als öffentliche Beiträge formulieren und so die Inhaltsauswahl beeinflussen.
Soziale Netzwerke entscheiden normalerweise im Verborgenen, welche Beiträge Nutzer zu sehen bekommen. Threads bricht mit dieser Logik. Die Plattform testet eine Funktion, die den Spieß umdreht. Anstatt passiv zu konsumieren, was der Algorithmus serviert, können Nutzer aktiv Einfluss nehmen. Sie verfassen einen öffentlichen Beitrag mit dem Kürzel “Dear Algo” und beschreiben darin, wovon sie mehr oder weniger sehen möchten. Das System wertet diese Angaben aus und verändert die Zusammenstellung des Feeds für einen begrenzten Zeitraum.
Was die Funktion von klassischen Filteroptionen unterscheidet: Jede Anfrage ist für andere sichtbar. Wer sich mehr Inhalte zu einem bestimmten Thema wünscht oder ein anderes meiden möchte, tut dies vor den Augen aller Follower. Meta interpretiert diese Transparenz als Chance für Entdeckungen. Nutzer können interessante Präferenzen anderer übernehmen und so auf neue Themenfelder stoßen. Die Offenheit birgt allerdings auch Risiken. Nicht jeder möchte preisgeben, welche Inhalte ihn ansprechen oder abstoßen.
Andere Plattformen setzen auf diskretere Mechanismen. Bei X oder Bluesky lassen sich einzelne Beiträge als uninteressant markieren, ohne dass dies öffentlich wird. Dear Algo verfolgt einen gegensätzlichen Ansatz und macht die Personalisierung zum gemeinschaftlichen Akt. Ob Nutzer diese Offenheit schätzen oder scheuen, wird sich zeigen.
Die Funktion steht vorerst in den USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland zur Verfügung. Eine Ausweitung auf weitere Länder ist angekündigt. Threads verzeichnet derzeit starkes Wachstum bei der mobilen Nutzung und übertrifft X nach Branchendaten bei den täglich aktiven Nutzern auf Smartphones.




