Eine Befragung unter 600 Führungskräften zeichnet ein düsteres Bild. Energiekosten, Bürokratie und geopolitische Spannungen belasten die Unternehmen. Die Berater fordern tiefgreifende Reformen.
Wo steht Österreich im internationalen Wettbewerb? Auf Rang 26, sagt das Ranking der Lausanner Wirtschaftshochschule IMD. Länder wie die Schweiz, Dänemark oder Schweden ziehen längst davon. Und Besserung? Nicht in Sicht. Das ist der Befund einer Deloitte-Erhebung unter 600 heimischen Führungskräften. Harald Breit, Chef von Deloitte Österreich, spricht Klartext: Das Land stecke seit Jahren im Krisenmodus fest, ein Ende sei nicht absehbar.
Nach zwei mageren Jahren hatte die Wirtschaft 2025 zaghaft Fahrt aufgenommen. Dann kam der Iran-Krieg im Februar und würgte die Erholung ab. Jeder zweite Betrieb spürt die Folgen des Konflikts direkt, zeigt die Umfrage. Die Stimmung? Ein Drittel der Befragten beschreibt sie als schlecht oder sehr schlecht. Nur 14 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.
Was belastet die Unternehmen konkret? Die Energiekosten stehen ganz oben, sechs von zehn Führungskräften nennen sie als Problem. Auf dem zweiten Platz landet der Papierkram: Fast 60 Prozent klagen über zu viel Bürokratie. Dazu kommen allgemeine Unsicherheit und die Steuer- und Abgabenlast. Deloitte warnt vor den Konsequenzen. Bleiben die Bedingungen so, wandern Firmen ab oder gehen pleite. Beides schwächt den Standort weiter.
Die Berater fordern einen Richtungswechsel. Das Land brauche eine ehrliche Analyse ohne Schönfärberei und den Mut zu echten Eingriffen, sagt Breit. Die beschlossene Senkung der Lohnnebenkosten sei ein Anfang, mehr nicht. Herbert Kovar, Partner bei Deloitte, nennt Zahlen: Drei Prozentpunkte weniger bis 2028, gegenfinanziert durch einen schlankeren Staat und zusätzliche Einnahmen aus Wachstum.
Auch der Arbeitsmarkt bereitet Sorgen. Jeder fünfte Betrieb beklagt Schwierigkeiten, Personal zu finden. Kovar sieht mehrere Hebel: bessere Bedingungen für Ältere, damit sie länger im Job bleiben, und Anreize, damit sich Vollzeitarbeit wieder auszahlt. Die Wunschliste der Führungskräfte ist lang: weniger Kosten, ein sanierter Staatshaushalt, Förderprogramme für Investitionen und verlässliche Spielregeln, um langfristig planen zu können.




