Microsoft, Cloudflare und Cisco bauen Stellen ab, obwohl sie profitabel sind und massiv in KI investieren. Ökonomen sehen darin längst keine Rezessionsreaktion mehr, sondern eine neue Form der Unternehmensführung.
Microsoft strich vergangene Woche rund 4800 Stellen, Cloudflare baute im Mai mehr als 20 Prozent seiner Belegschaft ab, Cisco meldete im selben Monat einen Rekordumsatz und kündigte zugleich an, fast 5 Prozent der Stellen zu streichen. Laut einer AlphaSense-Analyse stieg die Zahl der Erwähnungen von KI-bezogenen Entlassungen in Telefonkonferenzen von unter fünf pro Quartal 2022 auf über 100 in diesem Jahr. Harvard-Professor Joseph Fuller sieht darin keine großen Kahlschläge, sondern kontinuierliche Feinabstimmung, weil Unternehmen nach 25 Jahren Kostensenkung kaum noch Spielraum haben. Wettbewerbsdruck und Unsicherheit über die KI-Entwicklung würden Führungskräfte trotzdem zu Personalentscheidungen zwingen.
Laut Carrol Chang, CEO von Andela, liegt der Grund selten darin, dass KI Mitarbeiter vollständig ersetzt, sondern darin, dass Vorstände Produktivitätsnachweise verlangen, ohne die Kosten stark zu erhöhen. Wirklich KI-affine Mitarbeiter seien rar und teuer, so Chang. Stanford-Professor Jeffrey Pfeffer warnt vor den Folgekosten wiederholter Entlassungs- und Wiedereinstellungsrunden, sie schwächten Vertrauen und institutionelles Wissen. Je mehr Aufgaben KI übernehme, brauche es laut Fuller sogar mehr, nicht weniger, Mitarbeiter mit echtem Verständnis für Markt, Kunden und Prozesse.




