GVG Glasfaser sichert 135 Millionen Euro: Cashflow schlägt Ausbauquote

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February 17, 2026
17.02.2026
3 Minuten Lesezeit

GVG Glasfaser sichert sich 135 Millionen Euro frisches Kapital für den Ausbau von Glasfaseranschlüssen und schwimmt damit gegen den Finanzierungsstress der Branche. Die Struktur kombiniert Bankkredite mit Equity des Gesellschafters Palladio Partners und setzt auf robuste Cashflows statt reiner Ausbauquote.

135 Millionen Euro trotz Marktbereinigung

GVG Glasfaser erhält 135 Millionen Euro für den deutschlandweiten Ausbau, obwohl viele Anbieter wegen hoher Baukosten und gestiegener Finanzierungskosten unter Druck stehen. 85 Millionen Euro kommen als Kredite von Hamburg Commercial Bank (HCOB), KfW und Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, weitere 50 Millionen Euro steuert der Gesellschafter Palladio Partners bei. GVG-CEO Thorsten Fellmann wertet die Platzierung als Marktsignal: „Wir sind auf hohes Interesse bei Banken und Investoren gestoßen“.

Der Deal fällt in eine Phase, in der Konsolidierung und Refinanzierungsthemen die Agenda dominieren. Als prominentes Gegenbeispiel wird Deutsche Glasfaser genannt, die mit Banken über eine Reduktion der Verschuldung von rund sieben Milliarden Euro und frisches Geld verhandelt und dafür Ausbauziele zurückfahren muss. Für Finanzierer wird damit der Unterschied zwischen Wachstum um jeden Preis und kontrollierter Rollout Logik zum zentralen Kreditkriterium.

Palladio setzt auf robuste Cashflows

Palladio Partners beschreibt den Markt explizit als bereinigungsgetrieben und knüpft die Finanzierungsfähigkeit an Disziplin und belastbare Zahlungsströme. Bernd Kreuter, Managing Partner von Palladio Partners, sagt: „Der Glasfasermarkt befindet sich in einer Phase der Bereinigung“ und ergänzt, Finanzierung erhalte nur, wer Ausbau Disziplin und robuste Cashflows nachweisen könne. Damit verschiebt sich die Due Diligence von Coverage und Ausbauplänen hin zu Retention, Churn Risiko und Pricing Power.

Aus Investorensicht bleibt das Infrastrukturprofil jedoch intakt, weil Glasfaser vertraglich gesicherte Einnahmen und geringe Volatilität bieten kann. Das macht das Asset weiterhin attraktiv, allerdings nur, wenn die Aktivierung der Anschlüsse und die Zahlungsbereitschaft der Kunden mit dem Capex Tempo Schritt halten. Genau dieser Gleichlauf entscheidet, ob das Modell als langfristig finanzierbares Infrastructure Investment gilt oder in eine Refinanzierungsspirale gerät.

Aktivierte Anschlüsse zählen mehr als „Homes Passed“

Die Branche konzentriert sich zunehmend auf aktive Kundenverträge statt auf reine Erschließungszahlen. Der Maßstab verschiebt sich damit von erschlossenen Haushalten hin zu aktivierten Anschlüssen, weil erst aktivierte Leitungen Umsätze und Cashflows erzeugen und damit eine höhere Verschuldung wirtschaftlich tragfähig machen. GVG Glasfaser gibt an, die Zahl der aktivierten Anschlüsse im vergangenen Jahr um 70 Prozent gesteigert zu haben.

Nach Unternehmensangaben versorgt GVG inzwischen mehr als 180.000 Haushalte und Unternehmen mit Glasfaser. Für CFOs und Berater heißt das: Covenant Spielräume, Working Capital und Refinanzierungsfenster hängen nicht an der Bauleistung, sondern an der Umwandlung in zahlende Kunden. Die aktuelle Finanzierung ist damit weniger ein Wachstumsstatement als ein belastbarer Nachweis, dass der Markt Ausbaudiszplin und Cashflow Qualität wieder honoriert.