Das junge Anzeigengeschäft rund um ChatGPT wächst rasant, verfehlt aber vorerst die selbst gesteckte Umsatzmarke deutlich.
Kaum ein halbes Jahr nach den ersten Gehversuchen meldet OpenAI für seine Anzeigen eine hochgerechnete Jahresrate von einer Milliarde Dollar. Für den Konzern ist das der Beleg, dass er nicht mehr allein von Abonnements, Firmenlizenzen und dem bezahlten Zugang zur Schnittstelle lebt, sondern eine weitere tragende Säule gefunden hat. Das Tempo ist tatsächlich außergewöhnlich, denn erst im Februar 2026 begannen in den USA die ersten Tests. Gemessen an den rund hundert Millionen, die im März noch im Raum standen, hat sich der Wert binnen weniger Monate verzehnfacht.
Der Jubel bekommt beim Abgleich mit der eigenen Ansage Risse. Angepeilt waren einmal 2,5 Milliarden, womit dem Konzern bis dahin noch weit über eine Milliarde fehlt. Hinzu kommt die Natur der Kennziffer selbst, die schlicht den laufenden Monat hochrechnet und damit eher eine Wette auf die Gegenwart als einen belastbaren Jahresabschluss darstellt. Ob die ursprüngliche Marke je erreicht wird, muss sich erst zeigen.
Zugleich drückt OpenAI aufs Gas und hat die Anzeigen mittlerweile in mehr als vierzig Märkten verfügbar gemacht. Neu ist ein Selbstbuchungsweg, über den Werbekunden in Europa, Indien und weiten Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas ihre Kampagnen ohne Umweg über den Vertrieb aufsetzen können. Zu sehen bekommen die Reklame nur Gratis- und Sparkunden, während höhere Tarife verschont bleiben. Beim Datenschutz bewegt sich der Konzern auf denselben Pfaden wie die etablierten Werberiesen und zieht den laufenden Chatverlauf sowie, je nach Region, das bisherige Nutzungsverhalten heran, um Treffer zu erzielen. Abgerechnet wird pro Klick, und zur Steuerung und Erfolgskontrolle steht Werbetreibenden das inzwischen übliche Instrumentarium zur Verfügung, von der Zielgruppensteuerung nach Ort und Interesse bis zur Messung ausgelöster Abschlüsse.




