Eine Publikation aus Villingen-Schwenningen beleuchtet, wie Programmierung klassische Stichprobenverfahren ablösen und ganze Datensätze durchleuchten kann.
Wer heute Jahresabschlüsse prüft, ertrinkt in Informationen. Buchungszeilen in Millionenhöhe, endlose Belegketten, anschwellende Datenbanken: Mit der bewährten Stichprobentechnik lässt sich das kaum noch bewältigen. Michael Birk, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen den Studiengang Wirtschaftsprüfung verantwortet, hat gemeinsam mit Nepomuk Lorenz untersucht, welchen Ausweg die Programmiersprache Python bieten kann. Ihre Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift WPg.
Der Clou liegt im Umfang der Analyse. Während herkömmliche Verfahren aus wenigen Datenpunkten auf das Ganze schließen, durchkämmt ein Python-Skript sämtliche Einträge. Das minimiert das Risiko, verborgene Fehler zu übersehen. „Durch Python ist hier eine deutliche Verbesserung möglich, weil der komplette Datensatz geprüft werden kann", erklärt Birk. Auch betriebswirtschaftlich rechnet sich der Ansatz. Automatisierte Auswertungen verschlanken Prüfungsabläufe und setzen Kapazitäten frei. „Mit dieser ersparten Zeit lassen sich andere Leistungen erbringen – und der Gewinn maximieren", so der Professor.
Dass die Forschung aus Villingen-Schwenningen kommt, überrascht Branchenkenner nicht. Im aktuellen Ranking des manager magazin eroberte die Hochschule zum vierten Mal den ersten Platz unter den Fachhochschulen für Wirtschaftsprüfung. Rektor Lars Meierling sieht darin eine Bestätigung dafür, Studierende früh an datengestützte Werkzeuge heranzuführen. Birk warnt allerdings vor blindem Technikvertrauen: „Die KI als Hilfsmittel nimmt nicht die Bildung eines eigenverantwortlichen Prüfungsurteils. Am Ende muss man nachvollziehen können, was da alles passiert ist."




