China-Importe zwingen Thyssenkrupp in die Knie

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March 26, 2026
03.04.2026
2 Minuten Lesezeit

Wegen Billigstahl-Importe aus Asien legt der Konzern das Werk Isbergues von Juni bis September still. 600 Mitarbeiter sind betroffen. Di Martino spricht von ruinoser Importschwemme.

Vier Monate Stillstand in Isbergues

Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel will in einem Werk die Produktion von sogenanntem Elektrostahl zeitweise aussetzen. Im französischen Isbergues soll die Produktion von Juni bis September stillgelegt werden, teilte die Stahl-Sparte in Duisburg mit. Betroffen sind rund 600 Beschäftigte. Sie sollen für diese Zeit eine Unterstützung des französischen Staats bekommen. An den Standorten von Thyssenkrupp Electrical Steel in Gelsenkirchen und Isbergues arbeiten jeweils rund 600 Menschen. Ende 2025 waren die beiden Standorte bereits für einen halben Monat stillgelegt worden. Seit Januar produziere Isbergues nur mit 50 Prozent der Gesamtkapazität.

Importpreise unterhalb der Produktionskosten

Der Chef der Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Electrical Steel, Angelo Di Martino, spricht von einer ruinosen Importschwemme. Die temporäre Stilllegung des französischen Standortes sei notwendig, um das Unternehmen angesichts einer weiter verschlechterten Auftragslage zu stabilisieren. Vergleichbare Maßnahmen seien in Gelsenkirchen nicht geplant, sagte ein Sprecher. Die Importpreise lägen teilweise weit unterhalb der Produktionskosten in der EU. Man brauche daher dringend einen wirksamen Handelsschutz, um faire Wettbewerbsbedingungen für dieses strategisch wichtige Produkt herzustellen. Man sei in einem guten Dialog mit der EU-Kommission und hoffe auf zeitnahe Einführung effektiver Handelsschutzmaßnahmen.

Importmengen seit 2022 verdreifacht

Thyssenkrupp Electrical Steel stellt Spezialstähle für die Energiewirtschaft her. Das Material, sogenanntes kornorientiertes Elektroband, wird für den Stromtransport verwendet und kommt auch in Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen zum Einsatz. In Europa gibt es nach Unternehmensangaben nur noch zwei Hersteller dieser Spezialstähle. Die Importmengen in die EU haben sich seit 2022 verdreifacht. Das Unternehmen geht davon aus, dass sie mittlerweile mehr als 50 Prozent des europäischen Marktvolumens ausmachen. Diese Entwicklungen haben zu einer dramatischen Reduzierung der Auftragsvolumina und erheblicher Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen geführt. Der Markt für kornorientiertes Elektroband bleibe aber attraktiv: Marktstudien zufolge verdreifacht sich der globale Bedarf bis 2030.