Unternehmen bleiben heute deutlich länger in privater Hand als noch vor 25 Jahren, ein wachsender Teil der Wertschöpfung findet damit vor dem Börsengang statt. Jennifer Pruitt von Liberty Street Advisors erklärt, warum Zugang zu Late-Stage-Unternehmen für Anleger zunehmend zählt.
Ein durchschnittliches Unternehmen verbrachte 1999 laut einer Analyse von Liberty Street Advisors rund vier Jahre in den privaten Märkten, bevor es mit einer Marktkapitalisierung von knapp 500 Millionen Dollar an die Börse ging. Zwischen 2021 und 2025 blieb ein durchschnittliches Unternehmen dagegen mehr als zwölf Jahre privat und erreichte beim Börsengang eine durchschnittliche Marktkapitalisierung von rund 1,8 Milliarden Dollar. Regulatorische Änderungen, vor allem der Jobs Act von 2012 in den USA, öffneten die private Kapitalaufnahme für einen breiteren Investorenkreis, heute befinden sich rund 78 Prozent der US-Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz in Privatbesitz. Die Zahl der privaten Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar stieg von einem einzigen im Jahr 2010 auf mehr als 1.400 bis Mitte 2026. Aktuelle Beispiele wie SpaceX, das im Juni an die Nasdaq ging, sowie vertrauliche SEC-Einreichungen von Anthropic und OpenAI zeigen den Trend.
Eine Analyse von mehr als 800 US-Unternehmen, die über 16 Jahre an die Börse gingen, zeigt, dass eine Investition in der jüngsten privaten Finanzierungsrunde, gehalten bis sechs Monate nach dem Börsengang, im Durchschnitt eine Rendite von rund 250 Prozent erzielte, während Investoren, die erst zum IPO einstiegen, im gleichen Zeitraum nur auf durchschnittlich 16 Prozent kamen. SpaceX veranschaulicht dieses Muster: Das Unternehmen ging am 12. Juni zu einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie an die Börse, was einer Bewertung von rund 1,78 Billionen Dollar entspricht, mehr als das Achtfache der rund 210 Milliarden Dollar, die im Tender Offer von Juni 2024 festgesetzt worden waren. Für die nächste Welle von Börsengängen sieht Pruitt vor allem Unternehmen mit relevanter Größe, anhaltendem Umsatzwachstum und einem klaren Weg zur Profitabilität gut positioniert. Die Chancen reichen dabei über Künstliche Intelligenz und Raumfahrt hinaus bis zu Verteidigungstechnologie, Automatisierung und Fintech.




