EY-Umfrage zeigt: Steuerabteilungen kämpfen mit veralteter Software-Infrastruktur

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November 12, 2025
12.11.2025
3 Minuten Lesezeit

Die Tax-Innovation-Survey 2025 dokumentiert das Scheitern manueller Konsolidierungsprozesse – Big-Four-Beratung positioniert integrierte Plattform-Lösungen als Antwort auf BEPS-Pillar-2- und E-Invoicing-Anforderungen.

Jahresabschluss-Desaster triggert Technologie-Debatte

EY Deutschland publiziert Erkenntnisse aus der Tax Innovation Survey 2025, die strukturelle Defizite in Corporate-Tax-Abteilungen offenlegt. Kernproblem: Eine wachsende Kluft zwischen regulatorischen Datenanforderungen und faktisch genutzter Software-Architektur. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft schildert einen symptomatischen Fall: Ein Konzern musste zum Bilanzstichtag Steuerdaten von 90 Tochtergesellschaften aggregieren. Die Herausforderung: Jede Einheit operierte mit eigenem Buchhaltungssystem, unterschiedlichen Kontenstrukturen und teilweise extern verwalteten Finanzprozessen. Das Ergebnis war chaotisch. Mitarbeiter kopierten Zahlen zwischen verschiedenen Dateiformaten hin und her, ein kritisches Automatisierungs-Skript funktionierte plötzlich nicht mehr wegen geänderter IT-Sicherheitsrichtlinien, und der einzige Kollege, der die komplexe Logik verstand, hatte das Unternehmen bereits verlassen. Als dann im hektischen Jahresende Formeln nicht korrekt übertragen wurden und Korrekturbuchungen nur teilweise einflossen, eskalierte die Situation. Der externe Abschlussprüfer verlangte Abhilfe – der Wendepunkt für einen grundsätzlichen Systemwechsel.

Regulatorische Flut trifft auf Werkzeuge aus den 1990ern

EY argumentiert: Die Wurzel des Problems liegt in der anhaltenden Dominanz von Tabellenkalkulationen für hochkomplexe Steuerberechnungen. Was vor 20 Jahren ausreichte, kollabiert unter heutigen Bedingungen. Die regulatorische Landschaft hat sich dramatisch verändert: Elektronische Rechnungsstellung wird Pflicht, internationale Mindestbesteuerung (Pillar 2) erfordert granulare Jurisdiktions-Daten, Country-by-Country-Reporting verlangt detaillierte geografische Allokationen, ESG-Berichterstattung integriert Steuer-Transparenz. Jede dieser Anforderungen generiert zusätzliche Datenströme, Berechnungen und Dokumentationspflichten. Spreadsheet-basierte Workflows können mit dieser Komplexität nicht Schritt halten: Ad-hoc-Managementabfragen sind unmöglich, Versionskontrolle funktioniert nicht, Audit Trails fehlen, und bei jedem regulatorischen Update müssen Formeln manuell angepasst werden – mit entsprechendem Fehlerrisiko.

EY positioniert sich als Implementierungspartner

Die Lösung aus EY-Perspektive: Professionelle Tax-Technology-Plattformen, die Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen automatisch aggregieren, nach standardisierten Regeln verarbeiten und in einem zentralen Repository speichern – der häufig zitierte "Single Source of Truth"-Ansatz. Das EY-Tax-Technology-Team betont seine Rolle als Implementierungspartner: Man arbeite herstellerneutral mit allen relevanten Software-Anbietern und könne deshalb objektiv beraten, welche Lösung für spezifische Unternehmensanforderungen optimal sei. Der Survey 2025 liefert auch Benchmark-Daten: Wie weit sind andere Steuerabteilungen mit Digitalisierung, welche Tools dominieren den Markt, wo investieren führende Unternehmen. Die implizite Botschaft: Wer jetzt noch auf selbstgestrickten Excel-Lösungen beharrt, riskiert nicht nur operative Ineffizienz, sondern zunehmend auch Compliance-Probleme.