Klassische Karriere veraltet: Was Beschäftigte stattdessen wollen

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January 30, 2026
30.01.2026
2 Minuten Lesezeit

Viele Beschäftigte verabschieden sich vom linearen Aufstieg und setzen stattdessen auf flexible Laufbahnen, neue Arbeitsmodelle und mehr Gestaltungsspielraum. Das zeigt das Randstad Arbeitsbarometer 2026 und erhöht den Anpassungsdruck auf Arbeitgeber, die Talente halten und entwickeln wollen.

Klassischer Karrierepfad verliert an Akzeptanz

63 Prozent der Beschäftigten in Deutschland halten den traditionellen Karrierepfad für veraltet oder nicht mehr zeitgemäß. Gleichzeitig geben 39 Prozent an, sich keine Karriereziele für die nächsten fünf Jahre gesteckt zu haben. In diesem Bild steckt weniger Orientierungslosigkeit als eine Verschiebung der Erwartungen: Karriere wird häufiger als Summe von Erfahrungen und Kompetenzen verstanden, nicht als Abfolge von Titeln. Parallel bleibt Work Life Balance ein zentraler Maßstab: 63 Prozent stufen sie als wichtig oder sehr wichtig ein, und 74 Prozent bewerten ihre aktuelle Work Life Balance bereits als gut. Damit wird deutlich, dass Aufstieg allein als Leitmotiv an Zugkraft verliert, wenn er nicht mit Lebensqualität vereinbar ist.

Vollzeit als Standardmodell gerät unter Druck

Die Präferenzen bei Arbeitsmodellen illustrieren den Wandel besonders klar. Zwar arbeiten aktuell 56 Prozent der Befragten in Deutschland in einer klassischen Vollzeitstelle, im Idealfall würden dies aber nur 33 Prozent tun. Stattdessen wünschen sich mehr Beschäftigte alternative Setups: 10 Prozent würden lieber selbstständig arbeiten, tatsächlich sind es heute 5 Prozent. Zudem hätten 12 Prozent gerne einen Nebenjob zusätzlich zur Vollzeitstelle, während aktuell nur 3 Prozent dies tatsächlich tun. Das deutet auf eine stärkere Portfolio Logik hin, in der Einkommen, Qualifikation und Selbstbestimmung nicht zwingend an ein einziges Beschäftigungsverhältnis gebunden sind.

Arbeitgeber müssen Entwicklung neu denken

Verena Menne, Director Group HR bei Randstad Deutschland, sieht darin zwei Treiber: sinkende Bereitschaft für den klassischen Aufstiegspfad und wachsenden finanziellen Druck durch gestiegene Lebenshaltungskosten. Arbeitgeber müssten stärker versuchen, individuelle Bedürfnisse zu verstehen und Entwicklungspfade anzubieten, die nicht automatisch an Führungsverantwortung geknüpft sind. Gemeint ist eine breitere Karrierearchitektur: Fachlaufbahnen, Projektverantwortung, temporäre Rollenwechsel oder neue Beschäftigungsmodelle im eigenen Betrieb. Entscheidend sei, Strukturen zu schaffen, die der Expertise der Mitarbeitenden gerecht werden, statt Aufstieg allein über Hierarchie zu definieren.

Freiräume und Authentizität als Produktivitätsfaktor

Auch kulturelle Faktoren gewinnen an Gewicht. Work Life Balance hat gegenüber dem Vorjahr weiter an Bedeutung gewonnen und liegt nun auf Platz 4 der beruflichen Prioritäten. Zudem sagen 54 Prozent der Befragten, dass sie produktiver sind und sich stärker einbringen können, wenn sie bei der Arbeit „ihr authentisches Selbst“ sein können. Menne leitet daraus eine klare Erwartung ab: Beschäftigte wollen mehr Individualität im Arbeitskontext. Vollumfänglich sei das nie möglich, weil betriebliche Anforderungen Grenzen setzen. Eine Kultur der Wertschätzung und des konstruktiven Feedbacks könne jedoch bereits viel bewirken und im Wettbewerb um Talente langfristig den Unterschied machen.