Eine Studie mit der TU München zeigt: Deutsche Konzerne erkennen geopolitische Risiken, bewerten sie aber selten systematisch.
EY hat gemeinsam mit der Technischen Universität München untersucht, wie Unternehmen mit geopolitischen Risiken umgehen. Das Ergebnis: 36 der 40 DAX-Konzerne erwähnen solche Risiken in ihren Berichten. Doch nur ein Bruchteil stuft sie ausdrücklich als eigenständige Kategorie ein. Von 87 erfassten Risiken tragen gerade einmal 15 das Etikett "geopolitisch". Der Rest verschwindet in allgemeinen Rubriken. Quantitative Bewertungen bleiben die Ausnahme.
Die Autoren warnen vor einem zu engen Blickwinkel. Geopolitische Risiken beschränken sich nicht auf bewaffnete Konflikte. Cyberangriffe, Exportkontrollen, regulatorische Zersplitterung und politische Einflussnahme gehören ebenfalls dazu. Schon die Erwartung einer Eskalation kann Lieferketten durcheinanderbringen und Handelsbeziehungen belasten.
Wer Nachhaltigkeitsthemen ernst nimmt, ist besser gewappnet. Firmen mit ausgereiften ESG-Strukturen reagieren laut der Studie flexibler auf Krisen. Sie verfügen über präzisere Frühwarnsysteme und robustere Szenarioanalysen. Das Vertrauen von Investoren und Geschäftspartnern stabilisiert sie zusätzlich, wenn es ruckelt.
Ein Schwachpunkt bleibt die operative Umsetzung. Eine Befragung von 18 Großkonzernen zeigt: Die meisten erkennen die Risiken an, übersetzen sie aber nicht in konkrete Maßnahmen oder Kennzahlen. EY empfiehlt, geopolitische Szenarien systematisch durchzuspielen und in das Risikomanagement einzubauen. Wer das schafft, verwandelt Unsicherheit in einen Vorteil.




