Der deutsche Bausektor erlebt eine strukturelle Verschiebung: Infrastruktur und Tiefbau verdrängen den klassischen Hochbau als Wachstumsmotor, treiben Bewertungen auf Rekordhöhe und lösen eine Konsolidierungswelle im Mittelstand aus. Das zeigt eine neue Branchenanalyse von WALTER FRIES Corporate Finance.
Seit 2023 entfällt mehr als die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes auf den Tief- und Infrastrukturbau. Für 2026 prognostiziert WALTER FRIES Corporate Finance ein preisbereinigtes Wachstum des Bauvolumens von 1,7 Prozent, das sich 2027 auf 3,4 Prozent beschleunigen soll. Besonders dynamisch entwickelt sich der öffentliche Tiefbau mit einem erwarteten Zuwachs von knapp 10 Prozent in diesem Jahr. Treiber sind staatliche Investitionsprogramme in Schienennetz, Glasfaserausbau sowie Energie- und Versorgungsinfrastruktur, die dem Sektor eine im Baugewerbe ungewöhnlich hohe Planungssicherheit verleihen.
Die gestiegene Nachfrage nach gut positionierten Mittelständlern schlägt sich messbar in den Transaktionspreisen nieder: Die EBIT-Multiplikatoren für kleinere und mittlere Unternehmen kletterten zwischen dem vierten Quartal 2024 und dem vierten Quartal 2025 um 17,6 Prozent. Im Bereich Tiefbau und Rohrleitungsbau liegen die Multiplikatoren aktuell stabil zwischen dem Fünf- und Zehnfachen des EBIT. Holger Fries, Partner bei WALTER FRIES Corporate Finance, betont eine veränderte Bewertungslogik: Nicht die schiere Betriebsgröße, sondern das strategische Timing eines Verkaufsprozesses entscheide heute über den erzielbaren Preis.
Das Bauhauptgewerbe zählt mit rund 163 Milliarden Euro Umsatz und über 916.000 Beschäftigten zu den größten Industriezweigen Deutschlands. Die mittelständisch geprägte Struktur schafft einen kontinuierlichen Strom an Nachfolgetransaktionen, die heute von Inhabern als aktives Gestaltungsinstrument begriffen werden. Jüngste Beispiele aus dem Beratungsportfolio von WALTER FRIES: der Verkauf der Hermanns AG an die Depenbrock Gruppe im Januar 2026, die Übergabe der Wachenfeld Gruppe an Bickhardt Bau SE im November 2025 sowie die Übernahme des Ingenieurbüros Becker & Partner durch die Treysta Ingenieure Holding im Juni 2025.




