Alphabet plant laut Bericht eine hundertjährige Anleihe und verlängert die Refinanzierung in eine Dimension, die sonst nur sehr wenige Emittenten erreichen. Das wirkt wie ein Vertrauensvotum, rückt aber auch die Frage nach Regulierung und Kapitalbedarf in den Mittelpunkt.
Google bereite den Verkauf einer 100-jährigen Anleihe vor, nachdem das Unternehmen zuvor bereits eine 50-jährige Anleihe begeben hatte. Investoren wären damit bereit, Kapital über Jahrzehnte zu binden, während sich die US-Regierung in der Regel für maximal 30 Jahre verschuldet. Für die 50-jährige Anleihe zahlte Google dem Bericht zufolge etwa einen Prozentpunkt mehr als US-Staatsanleihen und erhielt dafür zusätzliche Zeit bis zur Rückzahlung. Die 100-jährige Anleihe soll im britischen Pfund begeben werden. Als Vergleich-Emittenten werden der Wellcome Trust und der Energiekonzern EDF genannt. Damit bewegt sich Google in einem Segment, das üblicherweise nur für äußerst stabile, langfristig einschätzbare Kreditprofile zugänglich ist. Der Kern ist weniger die Laufzeit selbst als das Signal dahinter. Eine solche Finanzierung impliziert, dass Investoren die Fähigkeit des Unternehmens, Cashflows über sehr lange Horizonte zu generieren, als außergewöhnlich robust einschätzen.
Der Bericht verknüpft die Kapitalmarktwahrnehmung mit der kartellrechtlichen Debatte in den USA. Der ehemalige Kartellrechtsanwalt des US-Justizministeriums John Newman äußert sich wie folgt: „Ein Richter hat gerade entschieden, Google weiter gegen das Gesetz verstoßen zu lassen.“ Ein Google-Sprecher bezeichnete diese Argumentation als „grundlegend fehlerhaft“ und betonte, nicht einmal das Justizministerium habe verlangt, Google wie ein Versorgungsunternehmen zu regulieren. Google legt gegen das Monopolurteil Berufung ein und fordert, bestimmte Maßnahmen während des Berufungsverfahrens auszusetzen. Für Investoren ist das relevant, weil langfristige Anleihen nicht nur Geschäftsmodelle, sondern auch regulatorische Stabilität einpreisen.
Parallel bleibt der Investitionsdruck hoch. Alphabet weist für 2025 einen Nettogewinn von über 132 Milliarden Dollar aus. Für 2026 plane Google, bis zu 185 Milliarden Dollar in Rechenzentren, Chips und andere Komponenten zu investieren, um KI-Aktivitäten zu unterstützen. Damit wird die hundertjährige Anleihe auch als Finanzierungsentscheidung lesbar: langfristige Mittelbeschaffung in einem Umfeld, in dem KI-Investitionen kapitalintensiv sind. Der Markt wird deshalb nicht nur auf den Kupon schauen, sondern auf die Frage, wie stabil Renditen und Cashflows bleiben, wenn Regulatorik, Wettbewerb und Investitionsniveau gleichzeitig hoch sind.




