Der globale Aktienmarkt wird stark von US Tech und KI getrieben. Genau diese Konzentration erhöht das Klumpenrisiko, Indien rückt daher als strukturell anders zusammengesetzter Markt in den Blick, weniger als Wette, mehr als Diversifikationsbaustein.
Strategen von „Jupiter Asset Management“ argumentieren, dass die indische Börse anders aufgebaut ist als Märkte, die stark von Halbleitern, Cloud Infrastruktur und KI nahen Geschäftsmodellen geprägt sind. „Stattdessen dominieren auf den Heimatmarkt ausgerichtete Unternehmen aus dem Banken-, Telekommunikations- und Konsumsektor sowie traditionelle Industrie- und Energiewerte.“ Für Portfolios, die nahe am MSCI World orientiert sind, kann das ein Gegengewicht zu einer sehr engen Themenlastigkeit sein. Das Argument ist dabei ausdrücklich nicht Anti-KI. Im Gegenteil: KI-Anwendungen verbreiten sich laut den Autoren in Indien schnell, begünstigt durch eine junge digitale Bevölkerung, günstige Datenpreise und hohe Smartphone Nutzung. Kapitalmarktwirksam sind jedoch eher indirekte Effekte, etwa Produktivitätsgewinne, IT-Dienstleistungen, Rechenzentrumsbau und steigende Nachfrage nach Fachkräften.
Ein zusätzlicher Punkt ist die geringe Korrelation mit anderen großen Aktienmärkten. Indische Aktien können zwar stark schwanken, folgen aber oft einem eigenen Zyklus. Das kann Portfolios stabilisieren, wenn ein dominantes Themenfeld an den globalen Börsen korrigiert. Gerade weil Indien den jüngsten KI getriebenen Höhenflug an den Weltbörsen nur teilweise mitgemacht hat, sehen Marktbeobachter darin langfristig einen Vorteil für die Diversifikation. Aus CFO-Sicht ist das weniger ein Renditeturbo als ein Risikomanagement Argument.
Der Haken liegt in der Bewertung. Indische Aktien handeln mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber anderen Schwellenländern. Fondsmanager Wim Hein Pals vom Vermögensverwalter „Robeco“ sagt, er sehe Indien trotz guter Fundamentaldaten kritisch und halte den Markt für überbewertet. Die Konsequenz ist keine Absage, sondern Zurückhaltung bei Timing und Gewichtung. Indien eignet sich damit eher als strategische Beimischung, die Konzentrationsrisiken als kurzfristige Renditewette abfedern kann.




