Der Infrastruktur-Monitor offenbart eine Kluft zwischen Geschäftskunden und Privatleuten. Die Berater empfehlen drei Hebel, um Vertrauen aufzubauen.
Wer bezahlt, bekommt Qualität. Wer nicht, erlebt Frust. So lässt sich die Kernbotschaft des KPMG-Infrastruktur-Monitors 2025 zusammenfassen. 84 Prozent der befragten Unternehmen geben den digitalen Netzen gute Noten. Bei Privatpersonen liegt die Zustimmung bei mageren 45 Prozent. Der Unterschied erklärt sich schnell. Konzerne mieten exklusive Leitungen und handeln verbindliche Serviceverträge aus. Otto Normalverbraucher kämpft mit Empfangslöchern auf dem Dorf und zähen Verbindungen beim Arbeiten von zuhause.
Bei der Frage nach Prioritäten sind sich beide Lager einig. 87 Prozent der Firmen und 82 Prozent der Bürger stufen die digitale Infrastruktur als dringlichstes Thema ein, noch vor Verkehrswegen und Energieversorgung. Intelligente Stromsteuerung, fahrerlose Autos, moderne Medizin, digitale Behörden: Ohne schnelle Datenverbindungen bleibt das alles Theorie.
KPMG benennt drei Baustellen. Ganz oben steht die Absicherung. 44 Prozent der Unternehmen sehen bei Rechenzentren den größten Handlungsbedarf. Die Sorge ist berechtigt. Ende 2024 wurden Tiefseekabel in der Ostsee durchtrennt, eines zwischen Finnland und Deutschland, ein weiteres zwischen Schweden und Litauen. Digitale Angriffe auf kritische Einrichtungen häufen sich, nicht selten mit staatlichem Hintergrund.
Brüssel und Berlin reagieren mit schärferen Regeln. Die NIS2-Richtlinie erfasst künftig über 30.000 Betriebe. Die DORA-Verordnung zwingt Banken und Versicherer zu regelmäßigen Angriffssimulationen. Vorschriften allein genügen aber nicht, mahnt KPMG. Entscheidend sei, ob Firmen die Vorgaben wirklich leben. Wer in doppelte Netzwege, Verschlüsselung und lückenlose Überwachung investiert, schützt nicht nur Daten, sondern gewinnt auch Kunden.
Zweite Baustelle: Verlässlichkeit. Geschäftskunden bekommen garantierte Bandbreiten und fixe Reaktionszeiten. Privathaushalte müssen nehmen, was kommt.
Dritte Baustelle: Verständliche Preise. Knapp ein Drittel der Firmen wünscht sich übersichtlichere Angebote. In einem Markt, in dem sich die Technik kaum noch unterscheidet, kann Klarheit den Ausschlag geben.
Was tun? KPMG nennt konkrete Ansätze.
Erstens: Schutz über das Minimum hinaus treiben. Misstrauen als Prinzip verankern, ein eigenes Überwachungsteam aufbauen, regelmäßig Einbruchsversuche simulieren.
Zweitens: Zuverlässigkeit erlebbar machen. Kritische Strecken mit räumlich getrennten Ersatzwegen absichern, feste Zusagen zu Verfügbarkeit und Reaktionszeit geben, den Ausbau gezielt dorthin lenken, wo es heute hakt.
Drittens: Tarifdickicht lichten. Höchstens drei klar abgegrenzte Modelle ohne versteckte Aufschläge, dazu Echtzeitanzeigen zum eigenen Verbrauch.
Wer diese drei Felder bearbeitet, baut laut KPMG nicht nur technische Stärke auf, sondern auch Glaubwürdigkeit. Digitale Leitungen werden so vom Kostenfaktor zum strategischen Vorteil.




