Auf der Hausmesse Sapphire präsentiert der Softwarekonzern eine neue KI-Architektur. Digitale Agenten sollen künftig Finanzabschlüsse, Einkauf und Personalarbeit weitgehend selbstständig erledigen.
SAP denkt Unternehmenssoftware neu. Auf der Hausmesse Sapphire in Florida präsentierte der Konzern seine Vorstellung vom autonomen Betrieb. Die Idee: Algorithmen übernehmen das Tagesgeschäft, Mitarbeiter kümmern sich um Ausnahmen und Strategie. Christian Klein, der den Walldorfer Konzern führt, formulierte den Anspruch deutlich: „Bei den geschäftskritischen Prozessen unserer Kunden ist ‚annähernd richtig' nicht gut genug. Indem wir die SAP Business AI Platform und die SAP Autonomous Suite zusammenführen, verankern wir KI-Agenten in den Geschäftsprozessen, Daten und der Unternehmenssteuerung, damit sie genaue, gesetzeskonforme und sichere Ergebnisse liefern, neue Einnahmequellen erschließen und spürbare Kosteneinsparungen ermöglichen."
Das technische Fundament bildet eine neue Plattform, die Infrastruktur, Datenspeicher und KI-Werkzeuge zusammenführt. Im Kern arbeitet ein sogenannter Wissensgraph, der Geschäftsobjekte, Abläufe und Verbindungen kartografiert. Darauf greifen die digitalen Helfer zu, wenn sie Entscheidungen fällen. Mit einem Baukasten namens Joule Studio können Entwickler eigene Agenten zusammenklicken oder programmieren, je nach Vorliebe.
Parallel stellte SAP eine Sammlung von über fünfzig Assistenten vor, die Finanzen, Beschaffung, Personalwesen, Logistik und Kundenbetreuung abdecken. Diese Helfer steuern wiederum mehr als zweihundert Einzelagenten, die konkrete Aufgaben erledigen. Ein Paradebeispiel: Ein Assistent für den Monatsabschluss soll Buchungen, Abstimmungen und Fehlerkorrekturen automatisieren. Was bisher Wochen dauerte, könnte künftig in Tagen erledigt sein.
Auch für einzelne Branchen gibt es Pakete. Der Energieversorger RWE zeigte auf der Bühne, wie sich Ausfälle bei Offshore-Windkraftanlagen verringern lassen. Algorithmen werten vergangene Störungen aus, identifizieren wahrscheinliche Fehlerquellen und füllen Reparaturaufträge vorab aus, inklusive passender Werkzeuge und bewährter Lösungen von anderen Standorten.
Die Bedienung verändert sich ebenfalls. Eine neue Oberfläche namens Joule Work ersetzt das Springen zwischen Anwendungen. Nutzer schildern, was sie erreichen wollen, und das System stellt die nötigen Abläufe, Daten und Helfer zusammen. Im Hintergrund erledigt es Routineaufgaben und liefert Hinweise, ohne dass jemand aktiv steuert. Die Oberfläche funktioniert auf Computern, Mobilgeräten und per Spracheingabe, auch in fremden Systemen.
Um die Verbreitung zu beschleunigen, stellt SAP einen dreistelligen Millionenbetrag für Partner bereit. Diese können damit Kunden bei der Einführung begleiten oder eigene Agenten entwickeln. Bestandskunden bekommen je nach Vertrag Zugang zu mehreren Assistenten.
Neue Migrationswerkzeuge sollen den Umstieg von Altsystemen um mehr als ein Drittel beschleunigen, indem sie Analysen, Codeanpassungen und Tests maschinell erledigen.
SAP verkündete eine Reihe von Kooperationen. Anthropic steuert sein Sprachmodell Claude bei, das Agenten im Personalwesen, Einkauf und Lieferkette antreibt. Amazon ermöglicht Datenverknüpfung ohne Kopieraufwand. Google und Microsoft sorgen für Zusammenspiel mit externen Systemen. Nvidia liefert eine abgesicherte Laufzeitumgebung. Palantir und Accenture helfen bei verzwickten Datenumzügen. Mistral AI und Cohere bieten europäische Modellalternativen für Kunden mit Souveränitätsbedenken.




