Die Beratungsgesellschaft KPMG Australien hat eine Stellenausschreibung veröffentlicht, die für Aufmerksamkeit sorgt. Ein Senior Consultant soll künftig die Einhaltung ethischer Grundsätze bei der Auftragsgewinnung überwachen. Die vorgesehene Vergütung liegt zwischen 80.000 und 100.000 Dollar pro Jahr, ein Betrag, der kaum über dem eines Berufseinsteigers liegt.
Zu den Verantwortlichkeiten der neuen Position zählt die Steuerung sämtlicher Systeme und Verfahren rund um Ethik und Unabhängigkeit. Die einzustellende Fachkraft soll bestehende Strukturen betreiben, was allerdings die Frage aufwirft, ob solche Strukturen im Unternehmen überhaupt vorhanden sind. Genau jene Regelungen, für deren Überwachung nun ein Verantwortlicher gesucht wird, wurden bei KPMG in den vergangenen Monaten mehrfach verletzt. Partner hatten vertrauliche Unterlagen von Lendlease eingesehen und persönliche Beziehungen genutzt, um Mandate zu gewinnen.
Die Anzeige wurde Ende Juni auf LinkedIn erneut geschaltet, was auf ein geringes Interesse beim ersten Anlauf hindeutet. Zu den Aufgaben der künftigen Stelleninhaberin oder des Stelleninhabers gehört es, die Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit den Systemen anzuleiten, kritische Rückfragen von Stakeholdern zu beantworten und fundierte Positionen zu komplexen Sachverhalten zu entwickeln: Formulierungen, die den Eindruck erwecken, das Haus rechne mit weiteren Vorfällen. Interimschef Stan Stavros hatte zwar betont, KPMG nehme die Vorwürfe sehr ernst. Die Höhe des angebotenen Gehalts lässt an dieser Zusicherung jedoch Zweifel aufkommen.
Parallel dazu sucht das Unternehmen zahlreiche zusätzliche Fachkräfte im Bereich Prüfung sowie Berater für Risiko- und Governance-Fragen. Zusätzlich läuft eine Ausschreibung für eine Verantwortliche oder einen Verantwortlichen, die oder der die Einhaltung amerikanischer und australischer Vorgaben zur Prüferunabhängigkeit sicherstellen soll.




