Die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung wandelt sich vom Pflichtprogramm zur strategischen Disziplin, Experten von KPMG und PwC erklären, warum Unternehmen umdenken müssen.
Mit der Übernahme der direkten Aufsicht über ESG-Ratinganbieter in der EU verschiebt die europäische Wertpapieraufsicht ESMA die Spielregeln. PwC-Experte Geoffroy Marcassoli aus Luxemburg stellt klar: Ziel sei nicht, gute von schlechten Ratings zu unterscheiden, sondern die Anbieter zu verpflichten, Methoden, Datenquellen und Annahmen offenzulegen. Bewertungsunterschiede zwischen Anbietern würden damit nicht verschwinden, ein Unternehmen könne weiterhin von einem Anbieter stark und von einem anderen schwach bewertet werden. Entscheidend sei, dass diese Urteile künftig überprüfbar und nachvollziehbar seien. Für Vermögensverwalter und Investoren bedeute das: Sich passiv auf externe Ratings zu verlassen genüge nicht mehr.
KPMG-Berater Simon Weaver identifiziert eine zentrale Hürde: Nachhaltigkeitsthemen werden in Vorständen noch immer als regulatorische Kosten statt als Werttreiber wahrgenommen. Sein Gegenmittel: Klimarisiken und Transformationschancen konsequent in EBITDA-Brücken, Cashflow-Effekte und Bilanzrisiken übersetzen. KPMG hat dazu Nachhaltigkeitsthemen mit den finanziellen Treibern von über 100 Teilsektoren verknüpft, um Führungsteams den Zusammenhang in ihrer eigenen Sprache belegen zu können. Solange die Übersetzung von Szenarioanalysen in konkrete Finanzprognosen nicht gelinge, werde das Investitionsargument für Nachhaltigkeit systematisch unterschätzt, so Weaver.




