Finnland führt den aktuellen World Happiness Report bereits das neunte Jahr in Folge an, Deutschland liegt nur auf Rang 17 von 147. Personalexpertin Helena Schneider sieht darin auch einen Effekt der finnischen Arbeitskultur und hat dazu 1000 finnische Beschäftigte befragt.
Schneider, halb Finnin und seit knapp 20 Jahren im Personalwesen tätig, beschreibt in ihrem Buch "The Nordic Working Mind" eine andere Machtverteilung in finnischen Unternehmen. 70 Prozent der von ihr Befragten messen Hierarchie im Berufsalltag kaum Bedeutung bei. Häufiger zählt fachliche Kompetenz als der Rang. Beim Spieleentwickler Supercell etwa entscheiden kleine, autonome Teams eigenständig über ihre Projekte, die Unternehmensleitung liefert nur den Rahmen. "Ich kann meine Meinung offen sagen und meine Meinung wird auch akzeptiert. Das verändert viel in der Zusammenarbeit", sagt Schneider. Auch als Führungskraft gilt es in Finnland als normal, die Tochter um 15 Uhr vom Fußballtraining abzuholen.
Der zweite Unterschied betrifft den Umgang mit Rückschlägen. Scheitert ein Projekt, wird in Finnland erst gemeinsam untersucht, woran es lag, statt einen Schuldigen zu suchen. "Eine solche Haltung kann dazu beitragen, dass Mitarbeitende Probleme früher ansprechen, statt sie aus Angst vor Konsequenzen zu verbergen", erklärt Schneider. Zentral ist das Konzept Sisu, eine trainierbare innere Ausdauer, die auch in schwierigen Situationen handlungsfähig hält, etwa durch bewusstes Innehalten und die Suche nach dem nächsten machbaren Schritt. "Sisu kann man lernen und trainieren", so Schneider.




