Britische Audit-Firmen wie KPMG und EY durchleuchten mit KI sämtliche Transaktionen eines Unternehmens statt nur Stichproben: Ein Umbruch, der auch für Prüfer im DACH-Raum zum Maßstab werden dürfte.
Laut einem Bericht der Financial Times erfassen KI-Modelle nicht mehr nur eine Auswahl an Buchungen, sondern den gesamten Jahresbestand an Transaktionen. KI-Agenten markieren Auffälligkeiten, sichten Teile der Nachwuchsarbeit und heben Fälle hervor, die genauere menschliche Beurteilung verlangen. Catherine Burnet, in Großbritannien für das Audit-Geschäft von KPMG verantwortlich, sieht darin eine Aufwertung des Berufs. CTO Matthew Campbell vergleicht den Schritt damit, künftig einen ganzen Fluss zu filtern, statt für eine Stichprobe nur einen Eimer Wasser zu schöpfen. Für Häuser mit enormen Datenmengen liegt der Reiz auf der Hand: EY beschäftigt weltweit 85.000 Prüfer, wickelt jährlich aber fast doppelt so viele Mandate ab.
Was in Großbritannien erprobt wird, deutet auf die Richtung, in die sich die Prüfung insgesamt bewegt. An der Verantwortung der unterzeichnenden Prüfer ändert die Technik nichts. Sie müssen ihre Einschätzung zu jeder geprüften Transaktion begründen, was den Rückgriff auf intransparente Systeme begrenzt. Ein Grundsatz, der ebenso für Wirtschaftsprüfer hierzulande gilt. Beobachter warnen zudem vor übermäßigem Vertrauen in die Technik, etwa wenn KI neuartige Probleme übersieht. Auch ein Kompetenzverlust droht, sollten einfache Aufgaben des Nachwuchses an Agenten wandern. EY betont, KI solle die Prüfer unterstützen, nicht ersetzen.
Der Zusammenbruch von Carillion 2018 prägt die britische Debatte bis heute. Für die mangelhafte Prüfung wurde KPMG 2023 mit 21 Millionen Pfund belegt. Der Financial Reporting Council und die großen Häuser erklären, KI solle vor allem die Prüfungsqualität steigern und nicht bloß Honorare kürzen. Der kommerzielle Druck bleibt dennoch spürbar: KPMG drängte seinen eigenen Abschlussprüfer Grant Thornton, KI-bedingte Einsparungen weiterzugeben. Zugleich begrenzen regulatorische Grenzen bei prüfungsfremden Leistungen, wie weit sich aus KI-Erkenntnissen neues Beratungsgeschäft münzen lässt.




