Der Konzern gewährt fremden Chatbots vorübergehend kostenlosen Zugang zum Messenger. Damit will er ein Kartellverfahren abwenden, das Milliarden kosten könnte.
Meta macht die Schotten auf. Einen Monat lang dürfen konkurrierende KI-Assistenten kostenlos auf WhatsApp andocken. Das Zugeständnis soll Verhandlungsspielraum mit der EU-Kommission schaffen und eine saftige Strafe verhindern. Die Wettbewerbshüter nahmen das Angebot als Gesprächsbasis an.
Der Ärger reicht ein Jahr zurück. Meta hatte damals die Hausordnung für WhatsApp umgeschrieben: Fremde Chatbots flogen raus, der konzerneigene Assistent bekam den Vorzugsplatz. Brüssel witterte Machtmissbrauch und eröffnete Ende 2025 ein Verfahren. Wenig später signalisierte die Kommission, dass sie die Praktiken für rechtswidrig hält. Im Frühjahr versprach Meta Besserung, knüpfte den Zutritt aber an Gebühren. Die Aufseher werteten das als Täuschungsmanöver und blieben bei ihren Vorwürfen.
Mit dem Gratismonat will Meta Schlimmeres abwenden. Bei einer Verurteilung drohen bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei einem Konzern dieser Dimension geht es um Summen mit vielen Nullen. Die Kommission ließ durchblicken, dass nun Raum für Gespräche über dauerhafte Verpflichtungen bestehe. Allerdings dränge die Zeit. Das Verfahren erfasst den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum außer Italien, wo eigene Ermittlungen laufen.
Der Fall steht für einen breiteren Trend. Die europäischen Aufseher durchleuchten zunehmend, ob Technologiekonzerne eigene Dienste bevorzugen. Bei künstlicher Intelligenz sind sie besonders wachsam. WhatsApp ist für Chatbot-Anbieter ein Tor zu Hunderten Millionen Nutzern. Wer dort fehlt, kämpft mit einem erheblichen Nachteil. Beschwerden eines amerikanischen und eines spanischen Unternehmens hatten das Verfahren angestoßen.
Für Meta geht es um mehr als Geld. Der Konzern will seine KI-Strategie in Europa trotz strenger Regeln durchsetzen. Die befristete Öffnung könnte der Auftakt zu einem größeren Kompromiss sein. Ob beide Seiten zueinander finden, bleibt abzuwarten. Scheitern die Gespräche, droht ein jahrelanger Rechtsstreit.




