Beim Facebook-Konzern arbeitet man an einer neuartigen Funktion für smarte Brillen. Was harmlos „Super Sensing" heißt, verbirgt eine kontinuierliche Ton- und Bildaufzeichnung, die anders als bei bisherigen Modellen ohne sichtbares Warnsignal für Umstehende ablaufen soll. Die Financial Times hat die Pläne mit Verweis auf mehrere Quellen aus dem Unternehmen öffentlich gemacht.
Bemerkenswert ist der offenkundige Widerspruch zur bisherigen Kommunikation des Hauses. In den Ray-Ban-Modellen gilt die kleine Leuchte am Rand als das zentrale Symbol des Privatsphärenschutzes. Erst kürzlich wurde ein Update ausgeliefert, das ihre Manipulation dauerhaft ausschließen soll. Wenn Super Sensing künftig ohne diese Kontrolle arbeitet, wüsste niemand im Umfeld eines Trägers, ob gerade aufgezeichnet wird oder nicht. Berichte deuten zudem darauf hin, dass sich die Funktion auch auf bestehende Brillenmodelle nachträglich per Software aufspielen ließe.
Um datenschutzrechtliche Bedenken zu entkräften, plant der Konzern ein Konstrukt, bei dem nicht die Aufnahmen selbst gespeichert werden. Stattdessen sollen aus Bild und Ton Metadaten extrahiert und auf Server übertragen werden. Was auf den ersten Blick harmloser wirkt, hat einen Haken. Aus solchen Metadaten lassen sich Aufenthaltsorte, Kontakte und Verhaltensmuster mitunter genauer rekonstruieren als aus den Originaldateien.
In Brüssel und den Datenschutzbehörden der Mitgliedstaaten wächst der Widerstand gegen smarte Brillen ohnehin. Ob eine derart weitreichende Aufzeichnung ohne Signalgebung mit der DSGVO überhaupt zu vereinbaren wäre, halten Fachleute für äußerst zweifelhaft.




