Alicia Pointner hat eine Großkanzleikarriere hinter sich und eine feministische Anwaltskanzlei aufgebaut. Sie erklärt warum Frauen andere Rechtsberatung brauchen, was sie in der Kanzleiwelt erlebt hat und warum ihr Ansatz polarisiert.
Pointner berät im Familien- und Arbeitsrecht sowie an der Schnittstelle zum Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht. Scheidung, Unterhalt, Elternzeit, Teilzeit, Diskriminierung, Gründung: Das sind die Themen, an denen sich laut Pointner zeigt, dass Recht Lebenssituationen nicht neutral behandelt. Wer Care-Arbeit übernimmt, wer Arbeitszeit reduziert und wer Vermögen aufbaut, hat Auswirkungen auf Einkommensunterschiede, Altersvorsorge und Verhandlungsposition in Trennungssituationen. Frauen interessieren sich in der Beratung stärker für Hintergründe, Zusammenhänge und Optionen als für reine Erfolgschancen, so ihre Beobachtung. Deshalb ist ihre Arbeitsweise bewusst erklärend und emotional stärkend.
Pointner hat als angestellte Rechtsanwältin in zwei Großkanzleien und einer renommierten mittelständischen Kanzlei gearbeitet. Als alleinerziehende Mutter habe sie versucht, in Strukturen zu funktionieren, die für ihre Lebensrealität nicht gemacht waren. Absprachen zu Homeoffice oder Flexibilität hatten im Alltag oft wenig Gewicht. Die Entscheidung zur Gründung im Mai 2025 begleiteten Skepsis und Naserümpfen aus juristischen Kreisen. Die klare Ausrichtung auf Frauen galt manchen als zu speziell oder wirtschaftlich riskant. Heute sieht sie genau diese Klarheit als ihre größte Stärke. Ihr Ansatz richtet sich nicht gegen Männer, sondern für Frauen, betont Pointner. Das sei ein wichtiger Unterschied.




