Ottobock: 1,7 Mrd. Euro Umsatz, 26 % Marge - Markt will mehr

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February 20, 2026
23.02.2026
2 Minuten Lesezeit

Der Prothesenhersteller Ottobock liefert nach seinem Börsengang im Oktober 2025 Rekordergebnisse, doch der verhaltene Umsatzausblick für 2026 drückt die Aktie auf neue Tiefststände.

Rekordjahr 2025: Margensprung von 3,6 Prozentpunkten

Ottobock schließt das Geschäftsjahr 2025 mit vorläufigen Rekordergebnissen ab: Der Konzernumsatz stieg um 4,7 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro, im Kerngeschäft legte er organisch um 10,6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. Das bereinigte EBITDA wuchs um 29 Prozent auf 420,7 Millionen Euro, die Kerngeschäftsmarge kletterte auf 26,0 Prozent - ein Plus von 3,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. CEO Oliver Jakobi bezeichnete dies als „Profitabilitätssprung" und verwies auf neue Produktgenerationen in der Knie- und Armprothetik sowie stärkere Exoskelettlösungen als Wachstumstreiber. CFO Dr. Arne Kreitz ergänzte, das Unternehmen sei damit „hervorragend gerüstet für weiteres deutliches Umsatzwachstum und überproportionale Ertragssteigerungen".

Analyst-Reaktion: Gute Zahlen, aber zu wenig Wachstumsambition

Trotz starker Ergebnisse reagierten Anleger verhalten: Die Ottobock-Aktie verlor am Handelstag nach der Veröffentlichung zeitweise 2,85 Prozent auf 56,20 Euro im XETRA-Handel. Seit dem Börsenstart im Oktober 2025 zu 66 Euro sind die Anteilsscheine damit rund 15 Prozent im Minus - das zuvor erreichte Rekordtief von 54,85 Euro rückt wieder in Sichtweite. Richard Felton, Analyst bei Goldman Sachs, kritisierte insbesondere den Umsatzausblick für 2026. Ottobock erwartet im Kerngeschäft lediglich fünf bis acht Prozent Umsatzwachstum sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von mehr als 26,5 Prozent. Werte, die mancher Experte als zu konservativ einstufend bewertet. Die Mittelfristprognose bis 2029 mit organischem Wachstum von sieben bis neun Prozent und einer angestrebten EBITDA-Marge von 29 bis 30 Prozent bestätigte das Unternehmen unverändert.

Weltmarktführer unter Beweis: Technologie als Wachstumsmotor

Ottobock gilt nach eigenen Angaben als Weltmarktführer in der Prothetik, beschäftigt rund 9.300 Mitarbeitende in 45 Ländern und betreibt etwa 400 Versorgungszentren weltweit. Das Unternehmen hält mehr als 2.600 Patente und ist seit 1988 offizieller Partner der Paralympischen Spiele. Als einziger Eigentümer hält die Näder-Holding nach dem IPO noch über 80 Prozent der Anteile; der Streubesitz beträgt rund 19 Prozent. Aus dem IPO flossen dem Unternehmen etwa 100 Millionen Euro für Investitionen in Zukunftstechnologien, insbesondere Mensch-Maschine-Schnittstellen, und die Erweiterung des globalen Versorgungsnetzwerks zu. Für PE-Investoren und CFOs illustriert der Fall, wie ein Familienunternehmen mit klarer Technologiestrategie erfolgreich an die Börse geht und welchen Erwartungsdruck ein starkes Rekordjahr erzeugen kann.