Leere Speicher, hohe Preise: Droht Deutschland ein Gasengpass?

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June 5, 2026
05.06.2026
3 Minuten Lesezeit

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich leerer als in den Vorjahren. Der Iran-Krieg treibt die Preise, der Wettbewerb um LNG verschärft sich. Ob die gesetzliche Zielmarge zum 1. November erreicht wird, ist ungewiss.

Speicher weit unter Vorjahresniveau

Anfang Juni lagen Deutschlands Gasspeicher bei knapp 33 Prozent Füllstand. Der langjährige Schnitt für diesen Zeitpunkt beträgt rund 55 Prozent. Anfang März waren die Speicher auf rund 21 Prozent gefallen, am 1. Mai lagen sie erst bei 26 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Füllstand von 70 Prozent zum 1. November. Der Verband der Speicherbetreiber INES hält das Ziel noch für erreichbar, betont jedoch: Mit jedem verrinnenden Tag wird es schwieriger. Uniper-Chef Michael Lewis warnte öffentlich: „Falls wir die Gasspeicher nicht rasch füllen, bekommen wir ein Problem im nächsten Winter."

Iran-Krieg verteuert LNG, Spotmarkt unter Druck

Die EU-Agentur ACER hat die Lage im April zusammengefasst: Die Blockade der Straße von Hormus hat erhebliche Folgen für den globalen Gasmarkt. Die Preise stiegen nach den Angriffen auf den Iran zunächst um rund 70 Prozent, sind seitdem zwar wieder gefallen, doch der asiatische Preisaufschlag gegenüber Europa liegt auf einem Allzeithoch. Das erschwert es Europa, kurzfristige LNG-Ladungen auf dem Spotmarkt zu beschaffen. Verschärfend kommt hinzu: Der Sommer-Winter-Spread ist derzeit negativ. Gas für den Winter ist günstiger als Gas für den Sommer, was den Anreiz zum Einspeichern im Sommer verringert. Am niederländischen Handelspunkt TTF notiert Gas aktuell bei knapp 50 Euro pro Megawattstunde.

Langfristverträge als Strategie, russisches Gas als Auslaufmodell

Die deutschen Gasimporteure Uniper, Sefe und RWE diversifizieren ihr Bezugsportfolio über langfristige Verträge mit Lieferanten aus Norwegen, Nordamerika, Australien und Kanada. Uniper bezieht heute mehr als 100 Terawattstunden über Langfristverträge, muss aber nach eigenen Angaben immer noch knapp die Hälfte seines Gasbezugs am Spotmarkt einkaufen. Parallel läuft der gesetzlich fixierte Ausstieg aus russischem Gas: Kurzfristige LNG-Kontrakte mit Russland sind seit dem 25. April verboten, bestehende langfristige LNG-Verträge müssen bis zum 1. Januar 2027 beendet sein. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat eine nationale Gasreserve als Notfallinstrument angekündigt, ein konkretes Konzept liegt jedoch noch nicht vor.

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