Die Großkanzlei holt einen früheren CDU-Bundestagsabgeordneten in ihre Energierechtspraxis. Stefan Kaufmann war als Innovationsbeauftragter für Grünen Wasserstoff an der Nationalen Wasserstoffstrategie beteiligt.
Wer Stefan Kaufmanns Lebenslauf studiert, stößt auf einen ungewöhnlichen Pendelverkehr zwischen Parlament und juristischer Praxis. Als CDU-Abgeordneter saß der promovierte Jurist von 2009 bis 2021 im Reichstagsgebäude. Eine zweite Runde im Bundestag folgte überraschend Anfang 2024, als er den Sitz des verstorbenen Wolfgang Schäuble einnahm. Diese Amtszeit endete im März des laufenden Jahres.
Wer in der Energiepraxis einer internationalen Sozietät beraten will, profitiert von Detailkenntnissen, die sich nicht in Lehrbüchern erwerben lassen. Genau solche bringt Kaufmann mit. Zwei Jahre lang, von 2020 bis 2022, arbeitete er als Innovationsbeauftragter für Grünen Wasserstoff im Bildungs- und Forschungsministerium. In dieser Rolle war er unmittelbar an der Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung beteiligt, einem Vorhaben, das die deutsche Industrie über Jahrzehnte hinweg prägen dürfte.
Auf die Frage nach seinen Beweggründen wählt Kaufmann eine Formulierung, die seine inhaltliche Ausrichtung verrät. Er wolle „Mandanten dabei begleiten, innovative Konzepte, Geschäftsmodelle und Technologien im Kontext der Energiewende erfolgreich zu realisieren". Damit verbindet er die regulatorischen Anforderungen seines neuen Tätigkeitsfeldes mit den großen Trends, die ihn schon in seinen politischen Funktionen umgetrieben haben.
Auf Arbeitgeberseite begründet Rebekka Hye-Knudsen, in Personalunion Co-Managing Partner von Dentons, die Verpflichtung. Der Markt für energierechtliche Beratung sei von „hoher Innovationsdynamik und einem erheblichen Beratungsbedarf" geprägt. Mit dem neuen Of Counsel könne man Mandantenanliegen „noch zielgenauer und umfassender adressieren".
Die Personalie reiht sich in eine größere Aufstellung ein. Rund 15 Anwältinnen und Anwälte arbeiten bei Dentons in Deutschland im Energierecht. Auf europäischer Ebene umfasst die Praxisgruppe Energy mehr als 150 Berufsträger. Wer als Mandant grenzüberschreitende Beratung sucht, kann auf diese Strukturen zurückgreifen.
Wechsel ehemaliger Parlamentarier in juristische Großbetriebe sind in Deutschland mittlerweile gängige Praxis. Was als politischer Werdegang begann, kann in der Beratungswelt zur Empfehlung werden, gerade in regulatorisch dichten Feldern wie Energie, Klimaschutz und Infrastruktur. Politische Kontakte allein reichen dabei nicht aus, doch das Verständnis dafür, wie Gesetze entstehen und wie Verwaltungsstrukturen ticken, eröffnet zusätzliche Zugänge zu Mandanten, die genau diese Mischung suchen.




