Stepstone deckt auf: Jobwechsel vergrößert Gehaltsschere

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March 2, 2026
05.03.2026
2 Minuten Lesezeit

Analyse zeigt strukturelle Diskrepanz: Männer erzielen im Median 10 Prozent Gehaltssteigerung, Frauen nur 5 Prozent. 60 Prozent fühlen sich in Gehaltsverhandlungen unwohl.

Jobwechsel verstärkt Gender Pay Gap

Ein Jobwechsel bringt Beschäftigten in Deutschland durchschnittlich 8 Prozent Gehaltsplus, während interne Erhöhungen nur 4 Prozent einbringen. Die Stepstone-Befragung von 297 Recruitern und 3.070 Beschäftigten zeigt jedoch eine erhebliche Diskrepanz: Männer erzielen beim Wechsel im Median 10 Prozent mehr Gehalt, Frauen lediglich 5 Prozent. Der Jobwechsel erweist sich damit für Männer als doppelt so ertragreich wie für Frauen. Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei The Stepstone Group, stellt fest: "Gehaltsverhandlungen wirken derzeit nicht als Ausgleich, sondern als struktureller Verstärker von Ungleichheit. Solange das Verhandlungsumfeld ungleiche Voraussetzungen schafft, hat Equal Pay ein systemisches Problem."

Unbehagen bremst Verhandlungserfolg

Rund 60 Prozent der Beschäftigten fühlen sich in Gehaltsverhandlungen eher oder sehr unwohl. Dieses Unbehagen schlägt sich direkt in den Ergebnissen nieder: 44 Prozent derjenigen, die sich grundsätzlich wohlfühlen, erhielten im vergangenen Jahr eine Erhöhung, während dies nur 32 Prozent der Beschäftigten mit Unbehagen gelang. Ein wesentlicher Grund ist das Machtgefälle am Verhandlungstisch: Führungskräfte verfügen über deutlich mehr Routine und gehen sicherer in Gespräche als Fachkräfte. Wittich erklärt: "Wie wohl sich Menschen in Verhandlungen fühlen, ist eine Frage der Routine und der Machtverteilung. Wenn eine Seite sicher auftritt und die andere unter Druck steht, verstärkt das bestehende Hierarchien."

EU-Richtlinie erhöht Transparenzdruck

Beschäftigte unter 30 sprechen deutlich selbstverständlicher über ihr Einkommen als ältere Altersgruppen und fordern mehr Offenheit bei Gehaltsfragen. Wittich sieht darin einen kulturellen Wandel: "Mehr Transparenz kann verhindern, dass Gehaltsverhandlungen bestehende Unterschiede weiter vergrößern." Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, verpflichtet Unternehmen künftig, Gehaltsstrukturen offenzulegen und objektive Kriterien für Vergütungsentscheidungen festzulegen. Bewerbende sollen bereits vor Vertragsabschluss Informationen über Einstiegsgehalt oder Gehaltsspannen erhalten. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern müssen grundsätzlich über den Gender Pay Gap berichten. Die konkrete Ausgestaltung hängt von der nationalen Umsetzung ab.