Der US-Versicherer holt sich einen Big-Four-Prüfer ins Haus, kurz nachdem er selbst eine Lücke in seinen Finanzkontrollen offengelegt hat.
Auf den ersten Blick ist es eine nüchterne Personalie, doch der Zeitpunkt macht sie interessant. Kingstone Companies vertraut die Prüfung des laufenden Geschäftsjahrs künftig Deloitte & Touche an und beendet damit die Zusammenarbeit mit CBIZ CPAs, abgesegnet vom Prüfungsausschuss Mitte August. Ausdrücklich habe es mit dem bisherigen Prüfer keinen Streit über die Art der Bilanzierung, den Umfang der Offenlegung oder die Reichweite der Prüfung gegeben, betont das Unternehmen. Im selben Atemzug aber gesteht der Versicherer eine Schwäche in seinen eigenen Kontrollmechanismen ein, die er als meldepflichtig einstufen musste. Dass in genau dieser Lage ein Haus vom Format Deloittes ans Ruder geholt wird, liest der Markt gewöhnlich als Versuch, angeschlagene Kontrollstrukturen wieder mit Glaubwürdigkeit zu unterfüttern.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Geschäftslage, denn schwach ist an Kingstone derzeit wenig. Das zweite Quartal war mit einem Überschuss von 15,5 Millionen Dollar das stärkste der Firmengeschichte, was dem Vorstand Spielraum gab, die Dividende um ein Fünftel anzuheben. Für Deloitte heißt das, einen Auftraggeber zu übernehmen, der wirtschaftlich glänzt, dessen interne Aufsicht aber sichtbar hinterherhinkt.
An seinen Jahreszielen rüttelt der Versicherer nicht und erwartet weiterhin einen Gewinn zwischen 2,20 und 2,90 Dollar je Anteil. Die Aktie liegt seit Januar 18 Prozent im Plus und notierte zuletzt bei 19,83 Dollar. Gerade das Nebeneinander von Rekordzahlen und offen benannter Kontrolllücke dürfte das neue Mandat für Deloitte anspruchsvoll machen.




