Die Vorstellung von OpenAIs Modell GPT-6 Astra ruft euphorische Ansagen hervor, doch prominente Kritiker halten die Ausrufung menschengleicher KI für verfrüht.
Die Nachricht klingt nach Zeitenwende, doch ihr fehlt das Fundament. Als Nvidia-Chef Jensen Huang am Sonntag auf X verkündete, mit OpenAIs GPT-6 Astra sei eine allgemeine künstliche Intelligenz da, berief er sich auf kein anerkanntes Kriterium, sondern schlicht auf den Eindruck rasanten Fortschritts. Genau hier liegt die Reibung, denn AGI meint zwar gemeinhin ein System, das den Menschen über praktisch alle geistigen Aufgaben hinweg einholt oder übertrifft, doch wann dieser Punkt als überschritten gilt, hat bislang niemand verbindlich festgelegt.
Auffällig ist, wer den Durchbruch ausruft. Huang steht Astra nicht neutral gegenüber, sondern liefert die Rechenbasis dafür, wie er selbst betont. Das Modell sei auf über 100.000 seiner Grace-Blackwell-Systeme entstanden, weitere 400.000 Grafikprozessoren stünden bald bereit. Auf der anderen Seite feiert der Hersteller sein eigenes Produkt. OpenAI-Präsident Greg Brockman hieß die Öffentlichkeit im AGI-Zeitalter willkommen und deutete an, künftig werde man rückblickend vielleicht ausgerechnet dieses Modell als Wendepunkt sehen. Belege dafür sollen Testwerte liefern, etwa 98 Prozent bei FrontierMath Tier 4 und die Höchstwertung im Sicherheitstest ExploitBench.
Dass ein Zulieferer und ein Anbieter gemeinsam eine wissenschaftliche Frage für entschieden erklären, ruft Widerspruch hervor. Der KI-Kritiker Gary Marcus konterte noch am selben Abend, hier werde ein Sieg ausgerufen, für den es nicht einmal eine Definition gebe, und genau das verwische die Debatte, statt sie zu klären. Aus seiner Sicht gleicht das dem Versuch, per Firmendekret zu bestimmen, was eigentlich empirisch zu belegen wäre, weshalb er eine ausführliche Gegenschrift nachlegte. Für die Praxis bleibt das Ganze vorerst folgenlos euphorisch. Unabhängig davon, ob der Begriff trägt, rollt OpenAI den Zugang zu Astra ohnehin schrittweise über seine Bezahlstufen sowie über die eigene Schnittstelle, Microsoft Azure und AWS Bedrock aus.




