Der KI-Anbieter bereitet einen der größten Tech-IPOs aller Zeiten vor, während der Nachweis der Profitabilität noch aussteht.
Bevor überhaupt ein Emissionsvolumen feststeht, drängt sich die Frage nach dem Geschäftsmodell auf. Für 2025 kursiert ein Verlust von rund 42 Milliarden US-Dollar, etwa das Fünffache des Vorjahres, getrieben von den Kosten für Training, Betrieb und Infrastruktur. Dem stehen für das zweite Quartal 2026 vorläufige, ungeprüfte Zahlen gegenüber: über 11,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und erstmals ein positiver bereinigter operativer Gewinn. Die parallel gehandelte annualisierte Run-Rate von mehr als 65 Milliarden US-Dollar ist allerdings eine Hochrechnung und je nach gewähltem Zeitraum nur begrenzt aussagekräftig.
Auf dieser Grundlage strebt Anthropic laut Bloomberg an, noch zum Monatsende den öffentlichen SEC-Antrag einzureichen, mit einem Volumen mindestens auf Höhe des SpaceX-Börsengangs, der samt Mehrzuteilungen 85,7 Milliarden US-Dollar einbrachte. Investoren erwarten der Financial Times zufolge im Oktober eine Bewertung um zwei Billionen US-Dollar. Getragen wird die Kalkulation von einer internen Umsatzprognose von 190 bis 200 Milliarden US-Dollar für 2028, deren Annahmen als intransparent gelten. Bei den Briefings unter Finanzvorstand Krishna Rao blieb die Bewertungsfrage bezeichnenderweise außen vor.
Genau solche Konstellationen, undurchsichtige Prognosen, gewaltige Bewertungen und ein beispielloser Investitionsschub, nähren die Sorge vor einer platzenden KI-Blase. Zuletzt warnte eine Forschungsgruppe der Europäischen Zentralbank vor den Folgen eines möglichen Kursrutsches. Endgültige Klarheit über Anthropics Finanzlage dürfte es ohnehin erst mit der öffentlichen Einreichung geben.




