In Niedersachsen suchen vor allem Ältere und Menschen auf dem Land länger nach einer Kanzlei, obwohl von einem echten Mangel keine Rede ist.
Rund 1400 Kanzleien und 7000 Einzelberaterinnen und -berater zählt Niedersachsen, ein Engpass sieht anders aus. Dass dennoch nicht jeder sofort fündig wird, hat mit der geografischen Verteilung zu tun. Arne Hundertmark von der Steuerberaterkammer verweist auf einen Konzentrationsprozess: Einzelbüros schließen sich zu größeren Einheiten an zentralen Standorten zusammen, wodurch die Wege für Mandanten in ländlichen Regionen länger werden. Verschärft wird das durch den Trend zur rein digitalen Kanzlei. Wer seine Unterlagen weiterhin in Papierform bringt, findet nicht überall Aufnahme, weil längst nicht jede Kanzlei bereit ist, sämtliche Belege selbst zu digitalisieren, ein Hindernis vor allem für ältere Mandanten.
Der Weg zur passenden Kanzlei führt meist über mehrere Anläufe, spätestens beim dritten Versuch stehen die Chancen laut Hundertmark gut. Wer leer ausgeht, kann auf eine seit der Corona-Pandemie geführte Liste aufnahmebereiter Kanzleien zurückgreifen. Entscheidend sei vor allem die Bereitschaft, auch eine weiter entfernte Adresse zu akzeptieren, da die Abstimmung ohnehin überwiegend digital erfolgt und die Entfernung damit ihre Bedeutung verliert. Von reinen Vermittlungs-Apps und Online-Angeboten zur Steuererklärung rät der Fachmann dagegen ab und begründet dies mit dem Vertrauensverhältnis, das eine Steuerberatung ausmacht.
Mittelfristig dürfte Technologie die Kapazitätsfrage entschärfen. Hundertmark hält durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung Effizienzgewinne von 30 bis 40 Prozent für erreichbar. Die dadurch frei werdende Zeit ließe sich in die Betreuung neuer Mandanten oder in tiefergehende Beratung investieren, womit sich der spürbare Engpass in ländlichen Regionen zumindest teilweise auflösen könnte.




