Präsident Mark Branson kritisiert die Risikoeinstufung vieler Produkte als zu niedrig. Zwei Fonds mussten bereits die Anteilsrücknahme stoppen.
Mark Branson äußert sich im Gespräch mit der Süddeutschen kritisch zu Offenen Immobilienfonds. Der BaFin-Präsident sieht ein Problem darin, wie diese Anlagen an Privatkunden gebracht werden. Oft dominiere das Vertriebsinteresse die Beratung. Volksbanken und Sparkassen ordnen viele solcher Produkte in die niedrigste Risikoklasse ein. Doch das Umfeld hat sich gedreht: Zinswende und veränderte Arbeitsgewohnheiten belasten Gewerbeimmobilien massiv. Seit Januar zogen Anleger netto zehn Milliarden aus diesen Fonds ab, meldet Finanztip.
Zwei Anbieter reagierten bereits: Industria stoppte Rücknahmen beim „Fokus Wohnen Deutschland“, Wertgrund tat dasselbe beim „WohnSelect D“. Wer aussteigen will, muss nun über die Börse verkaufen und dabei oft Kröten schlucken. Branson hält weitere Stopps für möglich, vor allem bei kleineren Anbietern. Er stellt auch die Risikobewertung infrage: Als besonders sicher eingestufte Immobilienanlagen hält er für problematisch. Auch ausführliche Beratungsprotokolle sieht er skeptisch, sie würden unerfahrene Anleger eher verwirren als schützen.
Branson beobachtet zudem mit Unbehagen, wie stark Versicherer und Pensionskassen in Private Credit investieren. Außerhalb der klassischen Bankenregulierung lauern hier aus seiner Sicht erhebliche Gefahren. Die BaFin plant eine Erhebung zum Anlageverhalten. Die Pleite des US-Autozulieferers First Brands, finanziert von Private-Credit-Fonds, hat die Branche aufgeschreckt.




