Der Verpackungshersteller kann seinen Jahresabschluss nicht fristgerecht vorlegen. Externe Prüfer untersuchen Geschäftsvorfälle aus den Jahren 2024 und 2025.
Bei Gerresheimer stapeln sich die Probleme. Der Konzern teilte mit, dass der Jahres- und Konzernabschluss für 2025 nicht wie vorgesehen bis Ende März fertig wird. Der Vorstand rechnet nun damit, die Zahlen erst im Juni präsentieren zu können. Diese Verzögerung löst eine Kettenreaktion aus. Die Quartalsmitteilung wandert ebenfalls nach hinten, und auch die Hauptversammlung findet nicht zum geplanten Zeitpunkt statt.
Eine externe Prüfungsgesellschaft untersucht derzeit Vorgänge aus den beiden vergangenen Geschäftsjahren. Diese Arbeiten ziehen sich länger hin als gedacht. Welche konkreten Sachverhalte im Fokus stehen, ließ das Unternehmen in seiner Mitteilung offen. Die Untersuchung dürfte jedoch mit den Vorwürfen zusammenhängen, die seit Monaten über dem Konzern schweben.
Die verspätete Vorlage hat Konsequenzen für die Börsennotierung. Gerresheimer erwartet, aus dem SDax ausgeschlossen zu werden. Für viele Fonds, die den Kleinwerteindex abbilden, würde das einen Verkaufszwang auslösen. Der ohnehin gebeutelte Aktienkurs könnte dadurch weiter unter Druck geraten.
Die BaFin hat ihre Prüfungen in den vergangenen Wochen ausgeweitet. Die Aufseher stießen auf Hinweise, dass Erlöse zu früh in den Büchern landeten. Sogenannte Bill-and-hold-Geschäfte stehen im Verdacht, nicht korrekt abgebildet worden zu sein. Zudem prüft die Behörde, ob Abschreibungen auf die Schweizer Beteiligung Sensile Medical unterblieben sind. Die neue Vorstandsmannschaft hat öffentlich eingeräumt, dass Beschäftigte absichtlich gegen Regeln verstoßen haben. Sowohl interne Vorschriften als auch internationale Bilanzierungsstandards wurden demnach missachtet. Diese Eingeständnisse erschüttern das Vertrauen von Anlegern und Geschäftspartnern.
Die Verschiebung der Bilanzvorlage berührt auch vertragliche Pflichten gegenüber Kreditgebern. Gerresheimer verhandelt derzeit über eine Verlängerung der Fristen. Scheitern diese Gespräche, könnte sich die finanzielle Lage des Unternehmens weiter zuspitzen. Der Aktienkurs kennt seit Herbst 2023 nur eine Richtung: abwärts.




