Volkswagen will bis 2028 ein Fünftel seiner Kosten streichen: Ein Programm, das weit über klassisches Kostenmanagement hinausgeht und den Konzern vor eine grundlegende Restrukturierungsfrage stellt.
Volkswagen plant, bis Ende 2028 konzernweit 20 Prozent seiner jährlichen Kosten zu senken - bei einem Kostenapparat von rund 300 Milliarden Euro entspricht das einem Zielvolumen von 60 Milliarden Euro. Konzernchef Oliver Blume präsentierte das Vorhaben Mitte Januar vor 120 Führungskräften. Alle Kostenarten stehen auf dem Prüfstand: Material, Entwicklung, Verwaltung, Vertrieb und Projekte, über alle Marken hinweg. Auch Werksschließungen sind nach konzerninternen Aussagen nicht mehr ausgeschlossen, wenngleich der Konzern die kolportierte Sparzahl offiziell nicht bestätigt. Für März hat Blume einen Zwischenstand angekündigt.
Der Handlungsbedarf ist durch die Zahlen belegt: In China brach das Geschäft 2025 um 8 Prozent ein, in Nordamerika um 10,4 Prozent - bedingt durch US-Zölle, den Wegfall von Kaufprämien und den Vormarsch chinesischer E-Auto-Hersteller. Parallel steht VW mit 260 Milliarden Euro Finanzschulden unter erheblichem Bilanzfruck. Die Ratingagentur S&P senkte den Ausblick auf negativ - ein Signal, dass der Konzern seine Finanzkennzahlen verfehlen könnte. Finanzchef Arno Antlitz sicherte sich zuletzt sechs Milliarden Euro zusätzliche Liquidität über den Verkauf von Zahlungsansprüchen. Laufende Performance-Programme erbringen bereits Einsparungen im zweistelligen Milliardenbereich, reichen aber offensichtlich nicht mehr aus.
Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo pocht auf den Dezember-Kompromiss von 2024, der Werksschließungen explizit ausschließt. Im März finden Betriebsratswahlen statt, substantielle Entscheidungen dürften erst danach fallen. Für Arbeitsrechts- und Restrukturierungsexperten ist das Szenario vertraut: Je stärker der Finanzdruck steigt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass bestehende Betriebsvereinbarungen auf ihre rechtliche Verbindlichkeit hin getestet werden. Die Betriebsratswahlen im März werden zeigen, mit welchem Mandat die Arbeitnehmervertretung in die nächste Verhandlungsrunde geht. Für Zulieferer und abhängige Mittelständler erhöht das Programm den Druck zur Diversifizierung erheblich.




