Big Four setzen auf Wachstumssegmente

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February 25, 2026
26.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Deloittes EMEA-Einheit ist nur der Anfang: Branchenexperten erwarten eine Welle von Umstrukturierungen bei den großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften. KI verändert das Geschäftsmodell grundlegend.

Regionalisierung als Trend

Die Big Four sortieren sich neu. Deloitte kündigte diese Woche die Gründung einer EMEA-Einheit an, die 16 Landesgesellschaften von Österreich bis zum Nahen Osten unter einem Dach vereint. Doch das finnische Unternehmen steht nicht allein. EY treibt seit dem gescheiterten Projekt Everest die Strategie der Superregionen voran und wird ab Juli über zehn Regionen gesteuert. KPMG hat in diesem Jahr die britische und die schweizerische Gesellschaft zu einer Einheit mit 3,6 Milliarden Pfund Umsatz verschmolzen. Hinter den Zusammenschlüssen steckt eine klare Logik. Multinationale Mandanten erwarten nahtlose Betreuung über Ländergrenzen hinweg. Regionale Strukturen ermöglichen es, Projekte effizienter zu koordinieren und neue Technologien schneller auszurollen. Martin White von Source Global Research erklärt, dass Unternehmen eine konsistentere Leistungserbringung über verschiedene Standorte hinweg verlangen. Integrierte Strukturen erleichtern zudem die Governance und beschleunigen Entscheidungsprozesse auf Führungsebene.

Gewinnpools stabilisieren

Die Zusammenschlüsse haben auch finanzielle Motive. James Ransome von Patrick Morgan weist darauf hin, dass breitere Integration Leistungsschwankungen zwischen Ländern ausgleichen und die Stabilität bei der Gewinnverteilung erhöhen kann. Allerdings verlaufen solche Integrationsphasen selten reibungslos. Kurzfristig entstehen Unklarheiten darüber, wer Einstellungsbudgets kontrolliert, und kulturelle Anpassungen erfordern Zeit. Parallel zur Regionalisierung verändert künstliche Intelligenz die Personalstrukturen grundlegend. Das klassische Pyramidenmodell der Beratungsbranche basiert auf einer breiten Basis von Berufseinsteigern, die einfache Aufgaben übernehmen und sich nach oben arbeiten. Wenn Automatisierung diese Einstiegstätigkeiten übernimmt, schrumpft die Basis. Die Firmen stellen weniger Absolventen ein und entwickeln eine kleinere Kohorte schneller zu höheren Verantwortungsebenen. Das Pyramidenmodell wandelt sich zur Diamantform.

Neue Anforderungen an Talente

Die Big Four suchen zunehmend nach Mitarbeitern mit technischem Hintergrund und KI-Kompetenz. Traditionelle Beratungsprofile verlieren an Bedeutung. Accenture hat diese Woche bekannt gegeben, dass Mitarbeiter künftig nachweisen müssen, dass sie KI nutzen, um befördert zu werden. Die großen Prüfungsgesellschaften gehören zu den bedeutendsten Arbeitgebern für Hochschulabsolventen. Dieses Modell steht nun auf dem Prüfstand. Während Einstiegspositionen unter Druck geraten, eröffnen die regionalen Strukturen neue Möglichkeiten für Partner und Directors. Wer komplexe, grenzüberschreitende und technologiegetriebene Transformationen steuern kann, ist gefragt. Gleichzeitig beobachtet Ransome einen Trend: Erfahrene Berater verlassen die Big Four zunehmend in Richtung Private-Equity-finanzierter Plattformen oder agiler Boutiquen. Sie suchen schnellere Entscheidungswege und klarere Beteiligungsperspektiven.