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February 25, 2026
25.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Das finnische Quantencomputing-Unternehmen wird durch eine Fusion mit einer US-Akquisitionsgesellschaft zum ersten europäischen Branchenvertreter auf dem Parkett.

Europa bekommt seinen Quanten-Champion

Der Kontinent hat im globalen Wettlauf um Quantentechnologie lange als Zuschauer gegolten. Nun setzt ein finnisches Unternehmen ein Ausrufezeichen. IQM hat eine Vereinbarung mit der Real Asset Acquisition Corp. unterzeichnet, die den Weg an die Börse ebnet. Nach Abschluss der Transaktion werden American Depositary Shares an einer der großen US-Börsen gehandelt. Eine zusätzliche Notierung in Helsinki wird geprüft. Das Unternehmen baut Quantencomputer auf Basis supraleitender Technologie. Anders als viele Wettbewerber kontrolliert IQM die gesamte Wertschöpfungskette selbst. Eigene Chipdesign-Werkzeuge, eine Softwareplattform für Entwickler, eine Fabrik zur Herstellung von Quantenchips und ein Rechenzentrum gehören zur Infrastruktur. Kunden können die Systeme vor Ort installieren oder über die Cloud nutzen. Diese vertikale Integration beschleunigt Entwicklungszyklen und ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen.

Kapital für den nächsten Sprung

Die Erlöse aus der Transaktion sollen in die Weiterentwicklung fehlertoleranter Quantencomputer fließen. Diese Technologie gilt als Voraussetzung dafür, dass Quantenrechner komplexe Probleme zuverlässig lösen können. Peter Ort von der Real Asset Acquisition Corp. hebt hervor, dass IQM bereits mehr lokale Quantensysteme ausgeliefert habe als jeder Konkurrent. Zu den Abnehmern zählen einige der renommiertesten Forschungseinrichtungen weltweit. Die Investorenliste von IQM liest sich beeindruckend. Bayern Kapital, MIG Fonds, World Fund, EIC Fund und Vsquared haben in früheren Runden Kapital bereitgestellt. Auch der chinesische Technologiekonzern Tencent gehört zu den Anteilseignern. Im Rahmen der aktuellen Transaktion verkauft keiner der bestehenden Gesellschafter Anteile. Alle wesentlichen Aktionäre haben sich zu einer Haltefrist verpflichtet.

Gründer denken langfristig

Jan Goetz, Mitgründer und Vorstandschef von IQM, betont den praktischen Nutzen der Technologie. Quantencomputing sei längst kein Laborexperiment mehr, sondern eine Industrie mit echten Kunden und funktionierenden Systemen. Verwaltungsratschef Sierk Poetting sieht den Börsengang nicht als strategische Neuausrichtung, sondern als Beschleunigung des eingeschlagenen Kurses. Das Ziel bleibe unverändert: Quanteninfrastruktur so selbstverständlich verfügbar zu machen wie klassische Rechenleistung. Die Transaktion könnte Nachahmer finden. Bislang dominieren amerikanische und asiatische Unternehmen die Schlagzeilen im Quantenbereich. Mit IQM betritt nun ein europäischer Akteur die Bühne der Kapitalmärkte und demonstriert, dass der Kontinent in Schlüsseltechnologien mitspielen kann.