Deutschlands Kanzleien werben im großen Stil um Personal, und die Spannbreite bei Gehältern und Homeoffice zeigt, wie hart der Wettbewerb um Spezialisten geworden ist.
Man muss keine Konjunkturdaten wälzen, um die Personalnot der Branche zu erkennen, ein Streifzug durch die aktuellen Ausschreibungen genügt. In diesem Herbst suchen Kanzleien jeder Größe zeitgleich nach Verstärkung, vom bundesweiten Verbund bis zur Nischenadresse auf dem Land. Dass ein zur EDEKA-Gruppe zählender Anbieter mit vierstelliger Mitarbeiterzahl gleich acht Vakanzen ausschreibt, ist dabei nur die sichtbarste Spitze. Bezeichnend ist vielmehr, dass die Gesuche von der klassischen Sachbearbeitung bis zu hochspezialisierten Profilen für Lohnabrechnung oder land- und forstwirtschaftliche Mandate reichen.
Am aufschlussreichsten ist, was die Anzeigen über die Gehälter verraten. Am oberen Ende lockt eine Kanzlei im Rheinland einen Steuerberater mit bis zu 140.000 Euro und der Aussicht auf die Partnerschaft. Fachkräfte ohne Beraterexamen bewegen sich meist in einem Korridor, der je nach Region und Erfahrung um mehrere Zehntausend Euro schwankt. Diese Streuung ist kein Zufall, sondern Symptom eines Marktes, in dem nicht mehr der Arbeitgeber den Preis diktiert, sondern die Verfügbarkeit der Bewerber.
Weil sich mit Geld allein kaum noch jemand aus einer anderen Kanzlei loseisen lässt, verlagert sich das Werben auf andere Felder. In den Inseraten überbieten sich die Häuser mit Modellen, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären, vom ortsunabhängigen Arbeiten über großzügige Urlaubskontingente bis zu Sonderzahlungen. Parallel verschiebt sich, wonach gesucht wird. Gefragt sind zunehmend Menschen, die eine Kanzlei technisch voranbringen, sei es in der DATEV-Verwaltung oder beim Umzug ganzer Mandantensysteme in die Cloud. Selbst die Großen der Zunft angeln über Praktika früh nach Nachwuchs. Unterm Strich zeigt die Jobwelle eine Branche, die begriffen hat, dass sie den Mangel nicht mehr mit dem Scheckbuch allein besiegt.




