Nur sechs Prozent oder doch die Hälfte? Zwei Studien kommen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen beim Thema Führungsambition. Die Fragestellung macht den Unterschied.
Zwei Erhebungen, zwei Ergebnisse, die kaum weiter auseinander liegen könnten. Deloitte befragte im Mai 2025 über 23.000 Menschen weltweit nach ihrem wichtigsten Karriereziel. Nur sechs Prozent der Generation Z entschieden sich für Führung, wenn sie zwischen mehreren Optionen wählen mussten. Manpower stellte einige Monate später eine offenere Frage und kam auf 50 Prozent, die sich eine Leitungsposition vorstellen können. Der Widerspruch entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Scheinwiderspruch: Wer zur Priorisierung gezwungen wird, antwortet anders als jemand, der einfach Ja oder Nein sagen kann.
Die Deloitte-Zahlen zeigen, was jungen Menschen bei der Arbeitgeberwahl wichtig ist. Vergütung, Sinn und Wohlbefinden rangieren weit oben, der klassische Aufstieg in die Chefetage findet sich nicht unter den Top-Kriterien. Gleichzeitig zählen Lernen und persönliche Entwicklung zu den wichtigsten Gründen für die Wahl des aktuellen Jobs. Die Generation will vorankommen und Verantwortung tragen, aber nicht zu jedem Preis und nicht auf Kosten des Privatlebens.
Unternehmen passen sich an. Manche lösen Führung vom Hierarchiegedanken und definieren sie über Wirkung statt Status. Junge Teamleiter beschreiben ihre Rolle als Unterstützung für die Mannschaft: Störungen beseitigen, damit andere produktiv arbeiten können. Jugendforscher raten, Nachwuchskräfte früh einzubinden und vorzuleben, dass Balance möglich ist. Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen liegt derweil so hoch wie seit Jahrzehnten nicht, was das Klischee der arbeitsscheuen Generation ins Wanken bringt.




