Über 90 Prozent der Juristen arbeiten mit intelligenten Assistenten. Neue Regeln verlangen Transparenz beim Einsatz der Technologie.
Der Damm ist gebrochen. Was lange als Zukunftsmusik galt, prägt heute den Arbeitsalltag deutscher Juristen. Eine Erhebung von Wolters Kluwer beziffert die Nutzungsquote auf 92 Prozent. Besonders bei der Vertragsprüfung spart die Technik Zeit: Über 60 Prozent der Befragten gewinnen wöchentlich bis zu ein Fünftel ihrer Stunden zurück. Dokumente, die früher stundenlang durchgearbeitet wurden, laufen in Sekunden durch algorithmische Filter.
Die Werkzeuge sind reifer geworden. Einfache Suchfunktionen haben ausgedient, stattdessen arbeiten Sprachmodelle, die auf deutsches Recht geeicht wurden. Bei Klauseln in Verträgen treffen sie in über 90 Prozent der Fälle ins Schwarze. Allgemeine Chatbots taugen für juristische Zwecke kaum, ihre Fehlerquote liegt zu hoch. Verlage wie C.H. Beck kooperieren mit Technologiefirmen, um Algorithmen mit geprüftem Fachwissen zu füttern. Der nächste Schritt sind autonome Agenten, die Verträge eigenständig anpassen und Prozesse anstoßen.
Mit der Verbreitung wächst der Regelungsdruck. Das im Februar beschlossene KI-Marktüberwachungsgesetz setzt europäische Vorgaben um und macht die Bundesnetzagentur zur Aufsichtsbehörde. Ab August müssen Kanzleien offenlegen, wenn Schriftsätze oder Analysen maschinell entstanden sind. Die Verantwortung bleibt beim Menschen, betont die Bundesrechtsanwaltskammer. Wer Mandantendaten in unsichere Systeme einspeist, riskiert Verstöße gegen die Verschwiegenheit. Viele Häuser migrieren deshalb auf eigene Server.




